ETC nicht mit ETF verwechseln
Rohöl-Indexfonds sind keine normalen ETF. Sie können trotz steigendem Ölpreis an Wert verlieren
Ich habe Ende 2008 einen börsengehandelten Indexfonds (ETF) auf Rohöl gekauft in der Meinung, dass er die Ölpreisentwicklung ziemlich exakt nachzeichne. Seither hat sich der Rohölpreis praktisch verdoppelt. Mein ETF hat aber an Wert verloren. Können Sie mir diese Fehlentwicklung des ETF erklären? R. F.
Bei dem von Ihnen gekauften Wertpapier handelt es sich nicht um einen herkömmlichen ETF, sondern um sogenannte ETC, Exchange Traded Commodities. Und das sind halt gerade nicht normale ETF. Worin liegt der Unterschied? Ein ETF kauft den Basiswert tatsächlich physisch. Der ZKB-ETF beispielsweise kauft Gold und bunkert es in seinen Gewölben unter der Bahnhofstrasse in Zürich. Das ist bei Öl selbstverständlich nicht möglich. Stattdessen bildet Ihr ETC einen Mischindex auf Öl-Termingeschäfte (sogenannte Kontrakte) ab. Es handelt sich also um einen Indexfonds, der nicht das Basisprodukt selbst, sondern ein Derivat darauf abbildet.
Der Kontraktwert richtet sich nur beschränkt nach dem effektiven Ölpreis, sondern vielmehr nach den erwarteten Ölpreisen. Dazu ein fiktives Beispiel: Kaufe ich heute einen Ölkontrakt in der Erwartung, dass der Ölpreis in-nerhalb von 6 Monaten auf 110 Dollar steigt, er aber tatsächlich «nur» auf 100 Dollar steigt, verliert mein Kontrakt seinen Wert, obwohl der Ölpreis ja massiv gestiegen ist. Umgekehrt kaufe ich vielleicht einen Kontrakt zu 90 Dollar. Steigt der Ölpreis ebenfalls auf 100 Dollar, mache ich einen überproportionalen Gewinn. ETC bilden nun aber einen Index auf solche Kontrakte ab, die permanent sogenannte Roll-Gewinne und Roll-Verluste machen. Dass der ETC nun massiv hinter dem Ölpreis zurückblieb, heisst nichts anderes, als dass der Markt insgesamt davon ausging, dass der Ölpreis noch viel stärker steigen werde, als er es effektiv getan hat.
Publiziert am 07.03.2010

