Aus der aktuellen Ausgabe

Angst vor Monopol in Bern-Belp

Skywork-Besitzer Borer will mehr Einfluss auf Flughafen - Konkurrentin Helvetic protestiert

Von Cornelia Krause

Bern-Belp Der Machtkampf um den Flughafen Bern-Belp schlägt hohe Wellen. Kritik kommt nun auch vonseiten der Fluggesellschaft Helvetic Airways. Eine mögliche Kontrolle des Flughafens durch Skywork-Besitzer Daniel Borer könne andere Airlines von Bern-Belp abhalten, sagt Helvetic-Finanzchef Tobias Pogorevc der SonntagsZeitung. Helvetic ist neben Skywork die einzige Airline, die den Flughafen regelmässig anfliegt. Pogorevc ist beunruhigt über von Borer in Aussicht gestellte Synergien zwischen dem Flughafen und Skywork, etwa bei der Bodenabfertigung. Würde Skywork die Abfertigung übernehmen, käme die Airline an sensible Daten der Konkurrenz zu Auslastung und Passagieren. Auch die Aufnahme neuer Strecken bedürfe einer langfristigen Planung mit dem Flughafen. Diese werde verunmöglicht, wenn die Konkurrenz von Anfang an über alles Bescheid wisse. Pogorevcs Fazit: «Auf diese Weise kann man andere Mitbewerber vom Markt ausschliessen: Das ist eine klassische Monopolstellung.»

An einer eilig einberufenen Pressekonferenz am vergangenen Mittwoch hat der aus der Rolex-Dynastie stammende Privatinvestor Borer versucht, die Wogen zu glätten, die eine geplante Mehrheitsbeteiligung seiner Investorengruppe an der Flughafenbetreiberin Alpar aufgeworfen hatte. Borer krebste auf der Veranstaltung teilweise zurück, betonte, eine feindliche Übernahme sei nicht geplant. Deutlich wurde, dass ihm Veränderungen am Flughafen zu langsam vorangehen. Konkrete Verbesserungsvorschläge blieben er und seine Mitstreiter Sébastien Mérillat und Hans-Ulrich Müller aber weitgehend schuldig. Diese sollen nun in einer Arbeitsgruppe mit der Alpar erarbeitet werden. Jedoch mehren sich die Fragezeichen, wie sinnvoll eine enge Beziehung zwischen Skywork und dem Flughafen tatsächlich wäre. Für Irritationen sorgte jüngst etwa die Sommerflugplanung für 2013: Skywork strich spontan ein halbes Dutzend Destinationen, obwohl diese im Sommer vollmundig angekündigt worden waren. Eine Skywork-Sprecherin erklärt das mit einer Verschlankung des Flugplanes zugunsten anderer, gut nachgefragter Destinationen. Ein endgültiger Sommerflugplan liegt bis heute nicht vor.

Ab 2013 schwarze Zahlen zu schreiben, sei illusorisch

Sprunghaft ist laut Aviatikexperten auch das Flottenmanagement. Tatsächlich stehen drei Bombardier-Dash-8-Maschinen von Skywork zum Verkauf. Bei Skywork heisst es dazu, man habe sich seit je auch im Flugzeughandel betätigt. Auch zwei nagelneue Kleinflugzeuge von Borers Service Fly Giardino werden auf Aviatik-Seiten feilgeboten. Laut Kennern wurden die Maschinen kaum geflogen, der Shuttle-Service zu Borers Giardino-Hotels sei gefloppt, heisst es. Borer hingegen spricht von «erfreulich grossem Interesse».

Der Verkauf der Maschinen dürfte Spekulationen über die Finanzlage der Skywork weiter nähren. Medienberichte von unbezahlten Rechnungen wies die Airline zurück. Allerdings dürfte sie infolge steigender Spritpreise dieses Jahr grössere Verluste einfahren, als die im Sommer angeführte Summe von unter zehn Millionen Franken. Das Ziel, 2013 schwarze Zahlen zu schreiben, halten Branchenkenner für illusorisch. 2011 lag das Defizit bei 24 Millionen Franken. Borer hatte gesagt, er wolle maximal 50 Millionen in Skywork hineinbuttern. In der Branche wird gemunkelt, dass das Limit bald erreicht sei, das jüngste Vorpreschen beim Flughafen sei eine «Flucht nach vorn». Eine allzu enge Beziehung zum Flughafen würde dann zu einem grossen Klumpenrisiko, das auch Alpar-Verwaltungsratspräsident Fritz Grossniklaus beschäftigt: «Was wäre, wenn es Skywork nicht schafft?» Auch bei Helvetic plädiert man deshalb für eine breite Ausrichtung. «Bern-Belp hat sich halten können, weil bislang die Interessen diversester Parteien vertreten wurden», sagt Pogorevc.

Publiziert am 16.12.2012




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