Aus der aktuellen Ausgabe

US-Politiker nimmt UBS ins Visier

Im Libor-Skandal um Zinsmanipulation soll die Schweizer Bank eine Hauptrolle gespielt haben

Von Guido Schätti

Zürich/New York Pünktlich vor der Publikation der Halbjahreszahlen der UBS am Dienstag greifen US-Politiker und -Medien die Schweizer Grossbank wegen deren Rolle im Libor-Skandal an. «Wenn die UBS in die Verschwörung um die Fixierung des Leitzinses Libor involviert ist, gibt es keinen besseren Kandidaten für eine Anklage», schrieb die Zeitung «New York Times» vor kurzem und listete die gesammelten Sündenfälle der UBS in den letzten fünf Jahren auf.

Von Beihilfe zu Steuerbetrug bis zum Milliardenverlust eines Londoner Händlers läppert sich dabei einiges zusammen. Stets sei es der UBS gelungen, den Kopf mit Vergleichen und Ablasszahlungen aus der Schlinge zu ziehen, die nötigen Lehren habe sie aber nicht gezogen, so das Blatt. Und der demokratische Abgeordnete Peter Welch schiebt nach: «Das öffentliche Vertrauen kann nur zurückgewonnen werden, wenn Leute, die Verbrechen begangen haben, einige Zeit im Gefängnis verbringen.»

Beobachter sehen es als Warnsignal, wenn die «New York Times» gegen die UBS derart scharf vom Leder zieht. Das Blatt gilt als verlängerter Arm des US-Justizministeriums, gewisse Artikel haben halb offiziellen Charakter. Ob die Zeitung auch diesmal auf Instruktionen von höchster Stelle handelt und sich UBS-Chef Sergio Ermotti bald mit Haftbefehlen gegen seine Vorgänger in den Jahren 2005 bis 2008 herumschlagen muss, wird sich zeigen.

Skeptiker sind der Ansicht, das eigentliche Ziel des Artikels sei in diesem Fall nicht die UBS, sondern der republikanische Präsidentschaftskandidat Mitt Romney. Dieser soll über ein Offshore-Konto bei der UBS verfügen und wird von den Demokraten im Wahlkampf als Freund von Steuerhinterziehern gebrandmarkt. Die UBS wäre dann nur der stellvertretende Bösewicht in einer Negativkampagne gegen Romney.

Ein Dutzend Händler soll Zinsen manipuliert haben

Fein raus ist im Libor-Skandal die UBS aber auch so nicht. Mit Berufung auf Gerichtsunterlagen berichtete die Nachrichtenagentur Reuters gestern, die UBS gehöre zusammen mit den britischen Grossbanken Barclays und Royal Bank of Scotland zu den drei Hauptverdächtigen. Mehr als ein Dutzend Händler der drei Institute hätten mit Absprachen die Libor-Sätze manipuliert und damit Gewinne auf Zinsprodukten eingefahren, die an den Leitzins gekoppelt sind.

Fehlverhalten zugegeben hat die UBS bei der Festsetzung des Yen- und Franken-Libors. Dank der Kronzeugenregelung hat sie vom US-Justizministerium und von der Schweizer Wettbewerbskommission in diesen Fällen eine Teilimmunität und eine Begrenzung der Bussenhöhe zugesichert erhalten. Vor Bussen wegen Manipulation anderer Zinssätze und vor Ziviklagen ist sie damit aber nicht geschützt.

Offen ist, wie teuer die Angelegenheit die UBS zu stehen kommt. Mit ihrer Bussenschätzung von 840 Millionen Dollar liegt die Investmentbank Morgan Stanley am obersten Ende. Andreas Venditti, Analyst bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB), geht davon aus, dass die UBS dank den Immunitäten weit glimpflicher davonkommen wird: «Falls die UBS eine Busse bezahlen muss, dürften die Beträge deutlich tiefer ausfallen als bei Barclays.» Die Briten wurden mit 450 Millionen Dollar gebüsst.

Publiziert am 29.07.2012




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