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Die Arbeit am Playoff-Rätsel

Wie wird man Meister? Qualifikationssieger SCB hofft, endlich eine Lösung zu haben

Von Philipp Muschg

Biel Die Generalprobe missriet: Das letzte Spiel vor dem Playoff verlor der SC Bern 0:2 in Biel. Trotz diesem finalen Dämpfer beendete er zum vierten Mal in fünf Jahren die Qualifikation auf Rang 1. Das klingt nach Erfolg, ist allerdings kein gutes Omen: Die vermeintliche Pole-Position fürs Playoff führte den SCB zuletzt dreimal direkt zum Out in der ersten Runde. Der Klub steckt im Dilemma: Der Qualifikationssieg kann nicht gefeiert werden, das Playoff weckt schlechte Erinnerungen. Übrig bleibt die Gegenwart - die Gegenwart und der Wunsch, als grösstes Eishockeyunternehmen des Landes endlich wieder einmal das beste Team zu sein.

Das ist schon rhetorisch ein Drahtseilakt. Geschäftsführer Marc Lüthi sagt, er wolle jetzt nicht zurückblicken, in die Zukunft schon gar nicht: «Ich hoffe einfach, dass die Saison noch ganz, ganz lange dauert.» Coach Larry Huras vergleicht die Berner Aufgabe schon seit August mit einem Marathon, bei dem nur die nächsten hundert Meter zählen: «Wir müssen dabei nicht einmal Spiel für Spiel nehmen, sondern Drittel für Drittel.»

Die Unwägbarkeiten des Sports zeigen sich bei keinem Klub so deutlich wie im betriebswirtschaftlich seit Jahren erfolgreichen Unternehmen SCB. 15 700 Zuschauer kamen im Schnitt an die Spiele in der PostFinance-Arena, selbst bei einem erneut frühen Playoff-Out wären auch diese Saison schwarze Zahlen garantiert. Es sind die anderen Zahlen, die sportlichen, die Ängste wecken: Bloss einen Titel holte Bern seit 1997 - und überhaupt nur zweimal in den letzten elf Saisons wurde der Qualifikationssieger auch Meister.

«Was früher war, weiss ich nicht», spricht Huras aus, was die meisten in Bern nicht von sich sagen können. Der Kanadier wurde nach dem Out gegen den EV Zug vor Jahresfrist verpflichtet und symbolisiert den herbeigesehnten Bruch mit der Vergangenheit. «Als ich herkam, haben wir zuerst einmal definiert, was für eine Mannschaft wir sein möchten und was für Spieler es dazu braucht», blickt der zweifache Schweizer Meistermacher zurück. «Im Sommer haben wir die Basis gelegt, danach lag das Schwergewicht auf Technik und Taktik, seit zwei Monaten im mentalen Bereich.» Neben Jörg Wetzel, der den SCB schon länger sportpsychologisch begleitet, arbeitet dieser Tage auch die amerikanische Koryphäe Saul Miller mit dem Team.

Wie die Berner sich im Playoff präsentieren möchten, davon haben aber schon die vergangenen 50 Runden ein gutes Bild gegeben. «Verschiedene Spieler haben verschiedene Rollen», sagt Huras, und es ist unverkennbar, dass sein Team dabei nicht auf überragende Individualisten baut, sondern auf einen kompakten, aggressiven Gesamtauftritt. Das entspricht auch der Forderung von Sportchef Sven Leuenberger, der vor der Saison festgestellt hatte, der SCB müsse «vor allem als Mannschaft wachsen».

Ein Preis dafür ist, dass brillanten Einzelspielern zusehends die Bühne fehlt. Bestes Beispiel dafür sind die drei ausländischen Stürmer, die den offensiven Schillerfalter Simon Gamache in den letzten Wochen überzählig machten. Weder Brett McLean noch Jean-Pierre Vigier oder Lee Goren können für Szenenapplaus sorgen wie der wendige Québecois, doch alle drei passen mit ihrer direkten Art besser zu jenem Team, das zu sein sich der SC Bern vor Jahresfrist vornahm.

Nummer 1 der Liga - aber nur Nummer 6 in der Offensive

Fünf Klubs haben diese Saison mehr Tore erzielt als der SCB - und trotzdem kommt der Qualifikationssieger aus Bern. Ob das 0:2 gegen Biel ein blosser Ausrutscher war oder Ausdruck mangelnder Substanz in der Offensive, werden die kommenden Wochen zeigen. Für Huras ändert sich so oder so nichts. «Meine Aufgabe ist es, das nächste Spiel zu gewinnen», sagt der Kanadier.

Wenn er sie zwölfmal löst, erfüllen sich die Hoffnungen nicht nur von Marc Lüthi. Am Dienstag legt Lugano Huras seine nächste Aufgabe vor.

Publiziert am 07.03.2010



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