Lieber Luca Hänni
Wenn ich Ihnen ungefragt einen Rat geben darf: Singen Sie nur weiter! Aber künftig besser unter der Dusche. Oder auf dem Baugerüst. Machen Sie Karriere als Maurer, und sagen Sie dem ganzen Theater um «Deutschland sucht den Superstar» Tschüss, bevor es Ihnen Tschüss sagt. Man wird Sie nämlich früher oder später - eher früher, vermute ich - fallen lassen wie eine heisse Kartoffel. Die Realität des Showbusiness ist keine kuschelige Casting-Sendung. In dieser Welt weht ein eiskaltes Windlein, gerade in Deutschland. Glauben Sie wirklich, die Konzertveranstalter haben auf einen scheuen Maurerlehrling aus dem Berner Land gewartet, der englisch singt? Ich konfrontiere Sie jetzt schon mit der brutalen Wahr- heit: Sie haben nicht das Zeug zum Star, schon gar nicht «Super», Ihr Stimmchen ist zu dünn, Ihr Auftritt zu bubenhaft und die Konkurrenz echter Sänger, die sich ohne RTL durchschlagen müssen, viel zu gross.
Lesen Sie mal in der brillant und schnoddrig geschriebenen Biografie von Dieter Bohlen, wie er über Musiker urteilt, die viel mehr Talent haben als Sie, aber nicht so weit gekommen sind wie er. Grausam. Irgendeiner musste gewinnen, das war die simple Voraussetzung für Ihre Wahl zum «Superstar». Heute gefallen Sie mit Ihrem schnuckeligen Frisürchen noch den zusammengetrommelten, kreischenden Girls, jedenfalls solange Sie die Boulevardpresse noch pusht und noch keine Pickel im Gesicht stehen. Aber morgen ist eine andere Geschichte.
Mit freundlichen Grüssen, Peter Rothenbühler
Publiziert am 17.06.2012
von: sonntagszeitung.ch






