Lieber Gölä
Ich verstehe ja, dass hiesige Rocker wegen des kleinen Heimmarkts ihre Kohle mit Werbung machen müssen. Der eine mit Umweltgesäusel, der andere mit Telefonie und Sie als Partner eines «integrierten Medienhauses». (Ich sehe nur, dass Erfolgreiche wie Stephan Eicher dies nicht tun.) Was nützt es euch harten Kerlen mit den Tätowierungen und den Hosen in der Kniekehle, immer noch «meh Dräck» zu produzieren, wenn dabei nicht «meh Stutz» reinkommt? Ich verfolge also mit einer gewissen Nachsicht, wie die Ringier-Blätter kraft Partnerschaftsvertrag Ihre CDs und Konzerte regelmässig über die redaktionelle Schiene promoten, mit Artikeln, die sensationelle Auftritte ankündigen (z. B. mit Klitschko), aber nie etwas Neues herzeigen, zum Beispiel, wie Ihre neue Freundin aussieht.
Dass ich mich dabei als Leser auf den Arm genommen fühle, scheint Ihnen ja egal zu sein. Aber dass es Ihnen auch nichts ausmacht, jedes Mal selbst zum Deppen gemacht zu werden, geht mir nicht in die Birne, ehrlich! Gerade gestern wieder. «Gölä zerpflückt den ?Blick?» auf Seite 1. Ohä, dachte ich, Pfeuti ist nicht blöd, der wird den Finger auf wunde Punkte legen. Dann Seite 7: «Gölä outete sich als "Blick"-Leser» (dachte jemand, der liest die NZZ?) und die «grosse Blattkritik», die aus einem Satz besteht: «Die Wetterprognosen sind zu ungenau.» Gölä, haben Sie auch Ihre Eier verkauft? Ich würd mal beim Vertrag einen Nachsatz verlangen: «Ihr dürft mich verkaufen, aber nicht für dumm.»
Mit freundlichen Grüssen, Peter Rothenbühler
Publiziert am 20.05.2012
von: sonntagszeitung.ch







