Lieber Thomas Gottschalk
Hätten Sie nie gedacht, gell? Dass ausgerechnet Sie, der Übermoderator der Fernsehlandschaft, nach diesem prächtigen Abschiedsfest in der Stierkampfarena von Mallorca letztes Jahr und der längsten Standing Ovation der deutschen TV-Geschichte nur Monate später schon den katastrophalsten Absturz erleben würden. Ausgerechnet zum 100. Jahrestag der Titanic-Katastrophe fährt Käptn Thomas Gottschalk in den Eisberg der Gleichgültigkeit und versinkt im tiefen Quotenloch. «Gottschalk live» ist tot! Thomi flieht nach Malibu. Und dies nur, weil
Sie offenbar einer bösen Wahrnehmungstäuschung erlegen sind, die man auch «Selbstüberschätzung» nennt. Ich kann es mir schlicht nicht anders erklären: Sie haben sicher gemeint, bei einem derart berühmten Menschen genüge es, sein Gesicht, selbst unrasiert, am TV zu zeigen, ein paar flapsige Sprüche rauszulassen und irgendeinen Künstler, Schauspieler oder Autor, der gerade auf Promo-Tour ist, über seine neusten Taten auszufragen, um die ganze Nation zur Abendessenszeit an den Bildschirm zu locken. Oberflaches Konzept zwar, aber: Thomi zieht! Haben Sie, die ARD und Ihre Mitarbeiter gedacht. Sonst hätten Sie sich doch nie auf eine derart bescheidene Sendeanlage eingelassen. Es war gutes Fernsehen, es waren gute Sendekonzepte, es waren interessante Wetten, die Sie berühmt gemacht haben, lieber Thomas Gottschalk, nicht umgekehrt. Wetten, dass Sie einen solchen Fehler nie mehr begehen werden?
Mit freundlichen Grüssen, Peter Rothenbühler
Publiziert am 22.04.2012
von: sonntagszeitung.ch






