Lieber Stefan Nünlist
Sie wollen also am 24. März 2012 in Olten, wo der Freisinn gegründet wurde, dem sterbenden Schwan neuen Atem einhauchen. Zurück auf Start wie im Monopoly. Nach dem arabischen Frühling der «freisinnige Frühling». Ausgerufen vom Oltner Stadtpolitiker Nünlist, Kommunikationschef der SBB.
«Occupy Freisinn» quasi. «Braucht die Schweiz einen Freisinn, wenn ja, welchen?», wollen Sie debattieren, dazu gibts «Freies Wort, Bratwurst und Rock 'n' Roll» unter dem Motto: «Dem Geist unruhiger Freiheitlichkeit verpflichtet». Tönt altmodisch, dürfte aber bei vielen einfahren, die im Freisinn nur no future sehen.
Wie einst mein Grossvater träumen Sie noch vom Solothurner Volksfreisinn, der nach Eisenbahn riecht und Freiheit und Toleranz mit starkem Sozialsinn verbindet. Pas mal. Nach den Ultra-, den Neo-, den Grünliberalen nun die Bratwurstliberalen. Wenn Ihnen diese Vorwärtsrückwärtsrolle gelingt, wähle ich nächstes Mal nicht mehr mit schlechtem Gewissen SP. Ihre Rednerliste gleicht allerdings noch einer Dino-Show: Vielleicht sollten Katastrophen-Franz und Couchepin Tahrir-Platz spielen und vor der «Schützi» im Schlafsack übernachten. Aber vielleicht sind ja die Alten wirklich die besten Erneuerer. Sicher ist, dass mit dem Freisinn etwas passieren muss, bevor ihm etwas passiert. Und: Wenn Sie in zwölf Jahren nicht Bundesrat sind, wird man wenigstens sagen, Sie hätten es «aus Liebe zu Olten» gemacht. Viel Glück!
Mit freundlichen Grüssen, Peter Rothenbühler
Publiziert am 23.10.2011
von: sonntagszeitung.ch






