Liebe Christine Maier
Lang habe ich gezögert, aber es ist wie bei Liebeserklärungen, irgendwann muss es raus. Also, Sie machen Ihren neuen Job bei «10 vor 10» hervorragend, sprechen perfekt deutsch, sind glaubwürdig, wunderschön (was beim TV nicht schaden kann), wenn auch ein bisschen zu streng, und damit bin ich schon bei meiner Kritik. Ich habe Sie so oft als charmante «Club»- Moderatorin gesehen, ich sah Sie kürzlich mit viel Witz die mühsamsten Gesprächspartner des Landes (Parteipräsidenten) auf verbale Hochtouren bringen. Sie sind auch sonst eine muntere Person. Und nun das!
Abend für Abend schaue ich das Gutenachtgeschicht- lein für Erwachsene, also «10 vor 10», und was sehe ich? Eine strenge Frau Maier, die mir so ernst in die Augen schaut, als hätte ich etwas verbrochen, eine Christine, die aus unerfindlichen Gründen zur Nachrichten-Domina mit dem Charme einer DDR-Volkspolizistin mutiert hat. Was soll das? Ich bin vielleicht Masochist, aber nicht bis abends um zehn. Glauben Sie, mit ernst Dreinschauen würden Sie besonders ernst genommen? Wollen Sie die alte Etikette des TV-Schätzchens loswerden? Das haben Sie doch nicht nötig. Sie müssen ja nicht laut wiehern, wenn die Kander über die Ufer tritt, Sie brauchen auch nicht Ihren Mann David zu imitieren, bei dem Permalachen das halbe Programm ist. Aber es bitzeli meh dürfte es sein. Ein freundliches Lächeln wie bei der ARD-Nachrichtenfrau Caren Miosga würde schon genügen.
Mit freundlichen Grüssen, Peter Rothenbühler
Publiziert am 16.10.2011
von: sonntagszeitung.ch






