Lieber Michael Lauber
Sie wollen also Bundesanwalt werden, und das Parlament will das vermutlich auch. Sind Sie eigentlich noch normal? Ich erlaube mir die Frage, weil Sie den Eindruck machen, eigentlich ein hochanständiger, freundlicher und fleissiger Profi zu sein - also normal. Die Frage drängt sich aber auf, weil die Geschichte der Bundesanwälte zeigt, dass bisher nur seltsame Persönlichkeiten das Amt besetzt haben. Ein Amt, das übrigens zweimal längere Zeit (mit Erfolg) aufgehoben wurde, also den Ruch der Überflüssigkeit trägt. Einer hat sich das Leben genommen, die letzten paar waren Jäger ohne Waidmannsheil, da gabs den blindwütigen Kommunistenjäger (Walder), die theatralische Mafia-Jägerin (Del Ponte), den malenden Bankiers-Verfolger (Roschacher) und den krimischreibenden Nichtjäger (Beyeler).
Bei allen hatte man den Eindruck, sie seien vor allem auf der Jagd nach genügend Arbeit. Kommt dazu, dass der Job weitläufig ist. Auch Sie werden sich damit abfinden müssen, dass sich das Bundesstrafgericht nicht gerade in Tallinn, dafür in Bellinzona befindet, wohin es naturgemäss nur Richter zieht, die in den schöneren Hauptstädten des Landes nicht weiterkommen, was absolut nichts über die Qualität ihrer Arbeit aussagt ...
Item: Irgendeine Prise Verrücktheit oder ein abstruses Hobby müssen Sie doch haben, sonst wären Sie nie auf die Idee gekommen, sich gerade diesen Job aufzuhalsen. Oder sollten Sie wirklich der erste Bundesanwalt sein, der auf diesem Posten glücklich wird? Das wären dann echte News.
Mit freundlichen Grüssen, Peter Rothenbühler
Publiziert am 28.08.2011
von: sonntagszeitung.ch






