Lieber Filippo Leutenegger
Hoffentlich weisst du, was für ein Risiko du eingehst mit deiner geplanten «Politarena» auf SAT 1. Du bist der Einzige, der deinen Ruf als Löwenbändiger des Schweizer Politzirkus zerstören kann. Indem du die Nummer nochmals durchziehst. Und erst noch im Direktvergleich: zuerst mit dir selbst, dem legendären Filippo in unserer Erinnerung. Dann mit der heutigen «Arena», die nichts auslassen wird, um dich in den Schatten zu stellen. Und - am härtesten - mit Roger Schawinski, der ab Herbst auch einen Talk mit Politikern macht (auf SF) und noch immer so brutal dazwischenfragt wie eh und je. Gut für dich ist die Nervosität, die sich breitmacht: Darf der das?, fragt sich männiglich. Die meisten finden, wer selbst zur Wahl antrete, dürfe nicht Wahlsendungen moderieren. Stürmer und Schiedsrichter im gleichen Match, das gehe nicht. Anton Schaller, dein ehemaliger Souffleur in der alten «Arena» (Knopf im Ohr), ruft in einem NZZ-Kommentar sogar «Gute Nacht, Journalismus!» und meint, «demokratiefeindlich» sei es, «wenn Politiker Journalisten spielen».
Viel schlimmer ist es, finde ich, wenn begnadete Journalisten wie du in die Politik gehen. Aber item. Am besten lässt man dich gewähren. Ein Privatsender ist nicht die SRG. Und die Demokratie ist definitiv nicht in Gefahr, wenn sich der Filippo wieder mal als Basejumper betätigt. Es hat dich auch niemand davor bewahrt, für die FDP nach Bern zu gehen.
Also dann: toi, toi, toi. Ich freue mich auf deine «Politarena» - und die Vergleiche!
Mit freundlichen Grüssen, Peter Rothenbühler
Publiziert am 17.07.2011
von: sonntagszeitung.ch







