Lieber Bulat Chagaev
Ich bewundere Ihren Mut. Zwanzig Jahre sind Sie in der Schweiz Rohstoff-Geschäften nachgegangen, haben diskret Fussballmatchs besucht und am Wochen- ende Ihr Haupt in der Villa Ihrer Ehefrau Irina in St-Sulpice zur Ruhe gelegt. Zwischendurch die Freund- schaft mit dem dubiosen Staatschef von Tschetschenien ebenso gepflegt wie Ihre Beziehungen zu Freund «Sepp» (Blatter). Und jetzt, plötzlich, verlassen Sie das Schummerlicht, kaufen den Fussballclub Xamax, und das bedeutet für Sie: nie mehr Ruhe! So ist offenbar der Mann, weltweit: ein paar Milliarden genügen ihm nicht zum Glück. Er muss eine Zeitung besitzen (in Frankreich grosser Milliardärstrend), ein Museum bauen (amerikanisch) oder eben einen Fussballclub besitzen (tschetschenisch). Nun, für uns Westschweizer ist Ihr Auftauchen, das Moralprofessoren zurzeit mit Strassendemos bekämpfen (was spätestens in den Semesterferien vorbeigeht), eine besonders gute Nachricht: Denn einer wie Sie darf nicht verlieren. Ein verpatztes Rohstoffgeschäft steckt man weg. Aber mit Xamax nicht in die Champions League zu kommen, ausgeschlossen! Ein Tschetschene lässt sich nicht auslachen. Gut für uns. Wir Welsche werden wieder fussballerische Grossmacht.
Die Stänkerer frage ich: Was ist der Unterschied zu den Millionen von Frau Oeri? Beide haben in der Lotterie gewonnen, Sie beim Regimewechsel, die Baslerin beim Erben. Beides unverdient, eigentlich. Hauptsache, beide geben den Stutz im Fussball aus. Gratuliere.
Mit herzlichen Grüssen, Peter Rothenbühler
Publiziert am 15.05.2011
von: sonntagszeitung.ch







