Liebe Sandrine Salerno
Als Stadtpräsidentin von Genf erklärten Sie zur Eröffnung des Auto-Salons in einem Interview:
«Alle meine Albträume sind mit dem Auto verbunden.» Und: «Das Auto verschmutzt die Umwelt, ist teuer, macht Lärm, ist gefährlich und besetzt öffentlichen Raum.» Sie fragten sich auch, was die Salon-Hostessen sollen, ausser «die Fantasien geiler Männer zu nähren». So kann eigentlich nur jemand reden, dem das wirtschaftliche Wohl seiner Stadt egal ist. Oder Autoimporteure mit Diktatorsöhnchen verwechselt. Das Lustige an der skandalösen Sache ist, dass kaum jemand reagiert. «Schonend anhalten», raunen vernünftige Genfer. Andere sagen, der Albtraum Salerno dauere eh nur ein Jahr. Haben Sie begriffen, was das heisst? Man nimmt Sie nicht mehr ernst. Sie haben ja auch schon der gestrauchelten Neuenburger Stadtpräsidentin (Polizistenbeschimpfung im Vollsuff) beruflich Unterschlupf geboten. Und Sie bieten heiratswilligen Paaren an, von der Stadtpräsidentin persönlich getraut zu werden (!). In einem Blog verbessern Sie die ganze Welt.
Ihre privaten Meinungen seien Ihnen unbenommen. Aber für die Weltstadt Genf ist Ihr ungebührliches Verhalten als Stadtmutter gegenüber einem der wichtigsten Arbeitgeber die pure Schande. Da kann man in Detroit oder Tokio noch lange erklären, dass die Stadtverwaltung von Genf eher so etwas wie eine geschützte Werkstatt sei, der Schaden ist angerichtet. Und irgendwann wird Genf die gerechte Strafe ereilen: der Umzug des Auto-Salons nach Zürich zum Beispiel.
Mit freundlichen Grüssen, Peter Rothenbühler
Publiziert am 06.03.2011
von: sonntagszeitung.ch






