Lieber Roman Kilchsperger
Wunderbar, dein Wechsel zum «Donnschtig-Jass». Vom Schiff aus gesehen ein cleverer Entscheid von «Quiz und Spiele»-Chefin Sibylle Marti. Ade biedere Tante Monika Fasnacht! Hereinspaziert der glatte Jeansträger Roman aus Züri, ein Zocker und Vollblut-Jasser, ein Sprücheklopfer erster Güte, good looking und jung. Bei deinem Anblick denkt niemand an Bier, Hobelkäse und Handorgel. Mit dir soll die Sendung mehr «Glamour» bekommen, «showiger» werden und die Jungen anlocken. Das kann den Erfinder des Sendekonzepts Kurt Felix nur freuen: Die weltweit einmalige Sendung macht den Schritt in eine gloriose Zukunft. Ich gebe zu, dass ich etwas skeptisch bin, der Wechsel kommt mir vor wie die klassische, gut gemeinte Vorwärtsstrategie: Da hat man einen echten Publikumsrenner, der zu den besten Quotenbringern gehört, aber eher das ländliche und ältere Publikum anspricht.
Man will die Kiste ums Verroden noch erfolgreicher machen, indem man auch die Jungen und Urbanen vor den Bildschirm lockt. Zum Beispiel mit einem unglaublich begabten jungen Moderator und mehr «Glamour». Im schlimmsten Fall geht das alte Publikum weg und die Jungen kommen nicht. Beim Begriff Glamour denken im Schächental selbst jüngere Leute eher an ein neues Putzmittel, musst du wissen. Wenn dir der Spagat tatsächlich gelingt, lasse ich dich seligsprechen. Kommts nicht gut, hast du ja nichts zu befürchten: Bei SF dürfen Hochbegabte auch mit einem blauen Auge weitermoderieren.
Mit freundlichen Grüssen, Peter Rothenbühler
Publiziert am 16.01.2011
von: sonntagszeitung.ch






