Lieber Johann Schwenn
«Sie sind also der Neue an Kachelmanns Seite. Und machen gleich auf Hardcore»
Schade eigentlich, wenn Jörg Kachelmann am Ende auch noch dafür büssen (und teuer zahlen) muss, dass er selbst mit den Anwälten eine unglückliche Hand hat. Sprich: nicht treu bleiben kann und jedem das Gefühl gibt, er sei der Einzige. Sie sind also der Neue an seiner Seite. Und machen gleich freiwillig auf Hardcore: Holen aus zu Rundumschlägen im Gerichtssaal, wie man sie noch nie
erlebt hat. Die Staatsanwälte sind für Sie «um einiges verdächtiger als Herr Kachelmann » (wenn die nur nicht empfindlich sind!), schwere Schuld haben im Prozess gegen den Medienstar vor allem die Medien (nicht gerade sehr neu, das Argument), und sogar Ihr Verteidiger-Vorgänger ist in Ihren Augen nicht ganz sauber übers Nierenstück: Sie fragten sich, «welche Exklusivverträge (mit Medien) Herr Dr. Birkenstock hat». Bei einem Kind, das so rüpelhaft herumzappelt, würde man fragen: Hat es sein Ritalin heute schon gehabt?
Bei einem Anwalt könnte man bestenfalls vermuten, dass er raffiniert vom Verdächtigen ablenkt, indem er die Aufmerksamkeit auf viele, viele andere böse Verdächtige lenkt.
Vielleicht sind Sie sogar ein Genie! Dann müssten aber alle Handbücher für Verteidiger umgeschrieben werden. Nicht absprechen kann man Ihnen ein gewisses Showtalent. Ein Ticket für diverse Talkshows haben Sie schon auf sicher. Nur bei «Wetten, dass ...» dürften Sie bereits auf der schwarzen Liste stehen: Die nehmen keine Kandidaten mehr, bei denen das Risiko besteht, dass sie brutal auf die Schnauze fallen.
Freundliche Grüsse, Peter Rothenbühler
Publiziert am 12.12.2010
von: sonntagszeitung.ch






