Lieber Ricardo Lumengo
«Ihr Feilschen ist peinlich, kleinlich und ohne Perspektive. Und tut sehr weh»
Noch ist es nicht zu spät für einen würdevollen Rücktritt. Melden Sie sich ab, und sobald Sie in zweiter Instanz freigesprochen sind, kommen Sie wieder. Oder eben nicht. Sie sagen ja selbst, als Jurist könnten Sie Ihr Leben gut verdienen, Sie seien nicht auf das Honorar eines Nationalrats angewiesen. Das Problem, das Sie nicht nur Ihrer Partei stellen, sondern der ganzen Schweiz, ist Ihre Rolle als Hoffnungsträger. Alle sahen in Ihnen das Symbol für die erfolgreiche Integration eines ehemaligen Asylbewerbers aus Afrika. Sie haben diese Rolle gerne gespielt. Aber offenbar nicht eingesehen, dass dies dazu verpflichtet, einen tadellosen Eindruck zu machen. Jawohl, ein Hoffnungsträger muss nicht nur kein Mischler sein, er darf nicht mal den Eindruck erwecken, ein solcher zu sein. Weil er sonst schnell weg ist vom Fenster.
Haben Sie nicht begriffen, dass Sie gegenwärtig alles tun, um das wunderbare Bild vom Afrikaner, der bei uns die Karriere vom Tellerwäscher zum Nationalrat geschafft hat, in eine Karikatur zu verwandeln? Sie geben heute das Bild ab von einem Mann, dem diese Karriere über den Kopf gewachsen ist. Sie sind als Wahlbetrüger verurteilt und feilschen gerade auf dem politischen Basar darum, noch ein paar Monate in Bern verbleiben zu dürfen. Das ist peinlich, kleinlich und ohne Perspektive. Und tut sehr weh.
Vor allem all den hier lebenden, bestens integrierten Afrikanern, die eh schon unter dem angeschlagenen Image der afrikanischen Immigranten leiden.
Freundliche Grüsse, Peter Rothenbühler
Publiziert am 21.11.2010
von: sonntagszeitung.ch






