Lieber Michael Steiner
Auch Schweizer Mythen sind zeitlos. Interessant, dass dein «Sennentuntschi» genau dann Premiere feiert, wo wir Schweizer uns eine Frauenmehrheit im Bundesrat gebastelt haben. «Spiel nicht mit dem Bösen, es rächt sich», ist das Motto deines Films, in dem zwei Älpler sich eine Frau basteln, die plötzlich zum Leben erwacht, von den Männern vergewaltigt wird und sich anschliessend brutal rächt, indem sie ihnen die Haut vom Leib zieht. Wir sollten vielleicht Ueli, Didier und Johann nicht ins Kino schicken, nicht jetzt schon, gell. Man könnte noch einen andern Bezug zur Aktualität herstellen und mit Blick zum Kachelmann-Prozess sagen: «Spiel nicht mit Frauen, es rächt sich.» Aber lassen wir das. Ich habe deinen neuen Streifen noch nicht gesehen, nur den Medienlärm darum herum wahrgenommen. Wie du von Lob überschüttet wirst, und vor allem von wem: Promis, Werber und Politiker finden dein «Sennentuntschi» wirklich gut. Bravo. Aber irgendwie war die Rezeption auch schlaffer als erwartet. Wenn es allenthalben heisst, der «Film-Schocker» sei nicht wirklich schockierend, der Sex auch für Sechzehnjährige geeignet, die Hauptdarstellerin ein liebes Mädchen, der Plot nicht unbedingt verständlich, aber alles hervorragend gefilmt, dann frage ich mich, warum soll ich noch ins Kino gehen. Finde ich etwa die gleichen Filme gut wie Christoph Mörgeli? Unter uns gesagt: Eigentlich sähe ich lieber einen James Bond von dir. Das könntest du noch viel besser, als alte Sagen komplex verfilmen. Good luck.
Herzlich, Peter Rothenbühler
Publiziert am 26.09.2010
von: sonntagszeitung.ch






