Aus der aktuellen Ausgabe

Perrenoud unter Druck

Berner Regierungsrat soll Chefbeamtin Gefälligkeitszeugnis ausgestellt haben

von Denis von Burg

Bern Der Fall der mit 200 000 Franken Abgangsentschädigung aus der Klinik Waldau ausgeschiedenen Regula Mader wird für ihren Vorgesetzten, den Berner SP-Regierungsrat Philippe Perrenoud, zur Hypothek. Sie gefährdet seine Wiederwahl und damit die rot-grüne Mehrheit im Kanton. Wie Recherchen der SonntagsZeitung zeigen, hat der Gesundheitsdirektor seiner Parteikollegin Mader just an dem Tag ein wohlwollendes Zeugnis geschrieben, als klar war, dass Mader als Klinikchefin nicht mehr zu halten war. So soll er dafür gesorgt haben, dass Mader eine grosszügige Abgangsentschädigung zugesprochen werden konnte.

Jetzt sprechen bürgerliche Grossräte von «Vetternwirtschaft im rot-grünen Filz». SVP-Grossrat Thomas Fuchs sagt: «Das sieht nach einem Gefälligkeitszeugnis aus. Offensichtlich wollte Herr Perrenoud Frau Mader den Abgang vergolden.» Faktum ist: Die Berner Regierung musste entscheiden, ob die von Waldau-Chefin Mader verlangte Entlassung von Werner Strik, dem Direktor Erwachsenen-Psychiatrie, rechtens sei. Ein externes Gutachten verneinte dies. Anfang November orientierte der federführende Justizdirektor Christoph Neuhaus die Regierung, dass es deshalb wohl schwierig werde, Strik zu entlassen. Und es wurde auch klar, dass dann die inzwischen mit einem Burn-out krankgeschriebene Mader als Waldau-Chefin nicht mehr haltbar sei, weil sie Strik voreilig angeschuldigt habe. Am 30. November erhielt der Regierungsrat und damit auch Perrenoud den fertigen Bericht. Gleichentags stellte Letzterer Mader ein hervorragendes Zeugnis aus. Am 5. Dezember kassierte die Regierung die Entlassung Striks. Gut zwei Monate später musste der Berner Regierungsrat eine für Mader lukrative Trennungsvereinbarung akzeptieren - weil das Zeugnis keine für den Staat günstigere Lösung mehr zuliess, wie man Perrenoud regierungsintern vorwarf. Perrenoud wehrt sich gegen den Filzvorwurf. Die Unterschrift unter das von Mader seit Wochen verlangte Zwischenzeugnis sei nur zufällig kurz vor den für Mader folgenschweren Entscheidungen erfolgt.

SVP-Grossrat will wissen, wer für Zeugnis verantwortlich sei

Trotzdem sehen die bürgerlichen Parteien jetzt Chancen, den mit seiner Spitalpolitik schon geschwächten Perrenoud mit dem Vorwurf des Genossenfilzes abwählen zu können, und wollen die Affäre am Kochen halten. SVP-Grossrat Fuchs will nächste Woche in einer dringlichen Interpellation wissen, wer für das Zeugnis verantwortlich sei. Gleichzeitig bringen sich die Bürgerlichen in Stellung für die Wahlen 2014. Seit einiger Zeit baut die SVP den Jurassier Manfred Bühler auf, um Perrenoud den für den Berner Jura reservierten Sitz abzujagen. Und unter dem Eindruck von Perrenouds Fehltritten, so erzählt ein SVP-Insider, würden sich die Reihen für eine gemeinsame, Erfolg versprechende Liste der bürgerlichen Parteien FDP, SVP und BDP schliessen. «Perrenoud schweisst uns zusammen», heisst es optimistisch in den sonst zerstrittenen Parteien.

Publiziert am 17.03.2013




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