Trunkenheit am Lenker
Über die Hälfte aller Velounfälle werden von den Fahrern selbst verursacht - oft unter Alkoholeinfluss
Von Julian Schmidli
Zürich Kommt es zum Unfall, sind Velofahrer die Schwächeren. Dabei liessen sich einige der Unfälle vermeiden, denn: Das grösste Sicherheitsrisiko sind die Fahrer selbst. Im letzten Jahr wurden über die Hälfte der 4094 Unfälle, in die Fahrradfahrer involviert waren, von diesen selbst verursacht. Dies zeigt eine Auswertung der Verkehrsunfalldatenbank aus dem Bundesamt für Strassen (Astra) von 2011, welche die SonntagsZeitung vornahm. Darin sind sämtliche polizeilich protokollierten Unfälle verzeichnet.
Die Anzahl der Personenschäden ist in den letzten Jahren zwar gesunken. Doch starben 2011 immer noch 39 Radfahrer auf den Schweizer Strassen, 3442 wurden verletzt. Viele gefährdeten sich dabei selbst.
Die Gründe für die Unfälle sprechen Bände über die Fahrpraxis der Unfallfahrer: Missachten von Vortrittsregelungen, verbotenes Befahren des Trottoirs oder Unaufmerksamkeit und Ablenkung sind an der Spitze der Hauptursachen. Ebenfalls prekär hoch: 201 der Unfälle wurden von alkoholisierten Radlern selbst gebaut.
Velolobbyist fordert stärkere Kontrollen
Dabei ist alkoholisiertes Fahrradfahren kein Kavaliersdelikt, wie Jean-François Steiert, SP-Nationalrat und Präsident von Pro Velo Schweiz, sagt: «Damit gefährdet man Fussgänger und sich selbst.» Viele verletzten sich bei den Selbstunfällen unter Alkoholeinfluss schwer, manche fügen dabei auch Fussgängern Schaden zu. Bei einem Unfallfahrer wurden gar 3,56 Promille Alkohol im Blut gemessen. Für Steiert ist klar: Alkohol auf dem Fahrrad muss stärker geahndet werden. «Velofahrer müssen sich bewusst sein: Kontrollen können auch sie treffen.»
Kinder gefährden sich besonders
Auch Kinder unter zwölf Jahren gefährden sich auf Velos oftmals selbst. Bei 299 Unfällen mit Kindern auf Fahrrädern waren 218 davon von den Kindern selbst verursacht. 50 wurden dabei schwer verletzt, ein Kind starb. Jean-François Steiert bemängelt, dass oftmals die Wege zu den Schulhäusern zu wenig auf Velos ausgelegt seien. Ein Helm-Obligatorium für Kinder lehnt er aber weiterhin ab. Stattdessen plant Pro Velo Schweiz zusammen mit dem ASTAG, dem TCS und weiteren Organisationen eine Art «Verkehrs-Knigge». Das Dokument soll die wichtigsten Verhaltensregeln für die jeweiligen Verkehrsteilnehmer vorgeben. Dadurch sollen Velofahrer mehr auf Fussgänger Rücksicht nehmen und, nicht zuletzt, auf sich selbst.
Allerdings sind auch die Autofahrer gefordert. In den restlichen Fällen - fast die Hälfte von 4094 Unfällen - waren Velofahrer nämlich die Opfer. 474 allein wurden von Autofahrern angefahren, die das Vortrittsrecht nicht beachteten. Ebenfalls häufig waren Unfälle durch zu nahes Überholen und unvorsichtiges Öffnen der Wagentür in einer Parkiersituation.
Am meisten Unfälle passieren übrigens in den Monaten Mai und August. Im Juli hingegen gibt es jeweils einen Rückgang. Wohl einfach deshalb, weil die Fahrradunfälle während der Ferien im Ausland nicht mitgezählt werden.
Publiziert am 22.07.2012






