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«Es ist absolut egal, wo die Menschen einsteigen»

Russell Perry, 33:

«Wir wollen das Telefonbuch des 21. Jahrhunderts werden»


123People-Chef Russell Perry über die Vorzüge und Absichten seines Personensuchdienstes

Von Barnaby Skinner

Herr Perry, im Januar besuchten über 1,5 Millionen Schweizer die Website von 123People. Laut Netmetrix, der offiziellen Statistik zum Web-Gebrauch, sind das mehr User als die Online-Ausgabe der NZZ Leser hat. Wie schaffen Sie das?

Es ist kein Geheimnis, dass wir die Suchmaschinen-Optimierung beherrschen. Wir wissen, worauf wir achten müssen, damit Google, Yahoo und Co. unseren Dienst prominent in den Suchtrefferlisten anzeigen.

Wie viele Nutzer klicken monatlich auf Ihre bei Google angezeigten Links?

Zwei Drittel unserer User kommen via Suchmaschinen.

Wie viele starten direkt bei Ihnen auf der Website?

In der Schweiz ist es rund jeder zehnte Nutzer. Aber das ist unwichtig. Im Öko-System des Internets, im Neco-System, wie ich es nenne, ist es absolut egal, wo die Menschen beim Internetsurfen einsteigen, ob bei Google oder bei Microsofts Alternative Bing. Viel wichtiger sind erstens die Dienste, die genutzt werden, und zweitens die Verlinkung aller Web-Angebote für den optimalen Informationsfluss.

Sie fürchten sich also nicht vor der alles dominierenden Internetfirma Google?

Sicherlich hat Google im Web viel Einfluss. Doch es gibt auch andere mächtige Unternehmen, wie Facebook. Das soziale Netzwerk erhält monatlich 35 Prozent seines Internetverkehrs von Google. Gleichzeitig schickt es 19 Prozent der Nutzer wieder zurück. Facebook ist von Google genauso abhängig wie umgekehrt.

Wie viele Nutzer schicken Sie mit 123People an Google zurück?

Jeden Monat klicken unsere Nutzer auf 100 Millionen Links. Wenige gehen direkt zu Google zurück.

Liegt das daran, dass Ihre Personensuchmaschine im Kern eine Google-Konkurrentin ist?

Nein. Google ist eine Universalsuchmaschine. Wie Bing oder Yahoo sucht sie Abgleiche mit Produkten oder Orten. Personen stehen weniger im Zentrum. Bei 123People wollen wir das Umfeld jedes Nutzers im Web anzeigen. Wer bei uns einen Namen eingibt, soll sich anhand von Links und Assoziationen ein Bild dieses Menschen machen können.

Sie verdienen Ihr Geld mit Reklame. Erklären Sie uns den Unterschied Ihres Dienstes zu sogenannten Linkfarms, zu Websites, die darauf ausgelegt sind, fehlgeleiteten Surfern Werbung vorzusetzen?

Dreissig Prozent der Suchabfragen bei den Universalsuchmaschinen sind Personensuchen. Nehmen wir Abfragen bei sozialen Netzwerken wie Facebook oder Verzeichnissen wie Online-Telefonbücher hinzu, ist das Bedürfnis nach umfassenden Personensuchen noch viel höher. Unsere Leistung ist es, Links zu Personensuchen sinnvoll zu organisieren. Dafür haben wir einen Algorithmus entwickelt, der Dinge wie Zeitpunkt und Standort bei der Suchabfrage berücksichtigt. Wenn jemand in Zürich einen Urs Meyer sucht, gehen wir davon aus, dass er den Urs Meyer in seiner Nähe sucht.

Das macht Google doch auch.

Wie gesagt, liegt Googles Fokus nicht auf der Personensuche. Noch wichtiger als der Ort einer Sucheingabe ist die Abfrage in Echtzeit. Wir haben Partnerschaften mit 200 Datenbanken, in der Schweiz mit Local.ch. Wenn sich dort etwas ändert, fliesst das sofort in aktuelle Personensuchen ein. Früher waren Menschen im Telefonbuch nur mit Nummer, Adresse und Beruf erfasst. Heute kommen Chat-Nicknames, Blogs oder Kontakte in sozialen Netzwerken hinzu. Wir wollen alles zusammenbringen, um das Telefonbuch des 21. Jahrhunderts zu werden.

Dahin ist es noch ein weiter Weg. Viele Menschen, die ich im Vorfeld dieses Gesprächs auf 123People angesprochen habe, klicken Ihren Webdienst zwar an, werden aber oft enttäuscht, weil sie Kontaktdetails wie E-Mail oder Telefonnummer ihrer Kontakte nicht finden.

Wenn diese nicht öffentlich sind, können wir sie auch nicht anzeigen. Grundsätzlich gilt, dass die Personensuche noch am Anfang steht. Wir arbeiten heute unter anderem mit der Technischen Universität in München, um unseren Algorithmus zu verbessern.

Sie verlinken nur auf öffentliche Inhalte. Um das Thema Datenschutz brauchen Sie sich folglich nicht zu kümmern?

Das Thema Datenschutz beschäftigt uns gewiss, weil es sehr emotional ist. So kennen etliche Nutzer ihren digitalen Fussabdruck im Internet nicht. Viele haben bei der ersten Suche bei 123People einen Schock, was da alles über sie zusammenkommt.

Zum Beispiel?

Videos von Freunden zum Beispiel, die auf Youtube geladen und mit dem eigenen Namen katalogisiert wurden. Wenn ein Nutzer mit Inhalten nicht zufrieden ist, die wir anzeigen, weisen wir sie auf Dienste wie ReputationDefender.com oder DeinGuterRuf.com hin, die dafür sorgen können, dass unerwünschte Bilder oder Videos wieder verschwinden. Das ist nicht unsere Aufgabe.


Publiziert am 07.03.2010



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