Aus der aktuellen Ausgabe

Batman Ends

Mit «The Dark Knight Rises» schliesst Christopher Nolan seine erfolgreiche Batman-Trilogie ehrenvoll, ernsthaft und erwachsen ab

Von Michael Sennhauser

«Unmöglich!», ruft der schauerliche Bane, als gegen Ende von «The Dark Knight Rises» das Bat-Zeichen in Flammen erscheint, hoch über einer der gesperrten Brücken von Gotham-City alias New York: «Impossible!»

Allerdings tönt das eher wie «impofubbl». Denn anders als der verstorbene Heath Ledger, der vor vier Jahren zur Verkörperung seines schrecklichen Jokers nur etwas verschmiertes Make-up brauchte, muss Schauspieler Tom Hardy seinen Bane mit einer Mundmaske spielen, die ihn aussehen lässt wie einen enthelmten Darth Vader.

Es ist auch nicht die Mimik, die Batmans jüngsten Gegner so fürchterlich macht, sondern der Umstand, dass er ideologisch aus der gleichen Höhle kommt wie die Fledermaus selber: Bane will Rache. Dazu stürzt der maskierte Schurke die Bevölkerung mit revolutionären Parolen der Occupy-Bewegung ins selbstzerstörerische Chaos. Das passt zu Regisseur Nolans Zeitgeist-Geschick, denn so wird Bane zur Leerstelle, zur gesichtslosen, aber aktuellen Projektionsfläche, welche der Amokschütze von Aurora ebenso besetzen kann wie die US-Wahlkampfpolitiker, die von beiden Seiten zu Trittbrettfahrern der millionenschweren Batman-Werbekampagne wurden.

Superhelden drehen sich im Kreise. Was sie interessant macht, sind ihre Gegner. Als Comic-Zeichner Bob Kane und sein Autor Bill Finger 1939 ihren Fledermausmann in die Welt setzten, gaben sie ihm einen Hintergrund: Millionärssohn Bruce Wayne wurde traumatisiert durch den Raubmord an seinen Eltern. Das machte ihn zum Rächer an allen Verbrechern. Und weil gewöhnliche Gassenschurken für den Batman keine Herausforderung waren, wurden groteskere Gegner wie der dauergrinsende Joker, der fischige Penguin oder die sexy Catwoman auf ihn losgelassen.

Gerade wegen seiner zeitweilig enormen Popularität war Batman fünfundzwanzig Jahre später reif für die Parodie. Eine knallbunte Fernsehserie mit Adam West in der Titelrolle setzte ab 1966 auf Witz, Camp und Pop-Art. Aber Superhelden sind nun mal nicht dafür gemacht, komisch zu wirken. Und so kam Batman erst wieder zu einem echten neuen Leben, als ihn Zeichner Frank Miller 1986 als 55-jährigen gereiften Rächer in «The Dark Knight Returns» auf eine düstere neue Welt losliess.

Damit war der Ton gesetzt für ein Revival im Kino, welches Tim Burton 1989 mit Michael Keaton als Batman und Jack Nicholson als Joker initiierte. Und wieder drehte die Spirale, bloss schneller dieses Mal: Vier Filme später war die Figur mit George Clooney im Cape und Arnold Schwarzenegger als Mister Freeze bereits wieder im parodistischen Lager angelangt.

In diese Gefahr gerät Christopher Nolan mit seinem aktuellen dritten und letzten Teil der neu aufgelegten Saga nicht. Nolans von Christian Bale gespielter Bruce Wayne war schon mit «Batman Begins» von 2005 ein Superheld für Erwachsene; «The Dark Knight» von 2008 war ein düsteres Meisterwerk mit apokalyptischen Zügen. Der letzte Teil hätte zwangsläufig «Batman Ends» heissen müssen. Aber so erwachsen will selbst Nolan nicht sein: Nach 164 atemberaubenden Minuten gibt es weiterhin eine Zukunft für die Fledermaus - als Gattung.

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Trotz Massaker Filmstart nicht verschoben

Nach dem Amoklauf eines 24-Jährigen, der in Aurora, Colorado, in der Nacht auf Freitag in einer Vorpremiere des neuen Batman-Filmes zwölf Menschen erschossen hatte, gab Regisseur Christopher Nolan seinem Entsetzen Ausdruck. Unter anderem meinte er, der Kinosaal sei sein Zuhause, und der Gedanke daran, dass jemand diesen Ort dermassen schänden könne, sei verheerend für ihn.

Die Pariser Vorpremiere wurde abgesagt, aber der Filmstart soll weltweit wie geplant verlaufen - wenn auch vielerorts mit zusätzlichen Sicherheitsvorkehrungen.

Es gab immer wieder Filme, die mit realen Morden in Verbindung gebracht wurden. So führte John Hinkley Jr. seinen Mordanschlag auf Präsident Reagan 1981 auf den Film «Taxi Driver» (1976) zurück. Und Stanley Kubrick sperrte seinen Film «A Clockwork Orange» (1971) für Aufführungen in England, nachdem Jugendliche einzelne Gewaltakte des Films real kopiert hatten.

Manchmal stellt sich allerdings die Frage nach Ursache und Wirkung, etwa bei «Natural Born Killers» (1994) von Oliver Stone. Der satirisch überzeichnete Amoklauf eines jungen Liebespaares wurde mit mehr als sechs realen Morden in Verbindung gebracht, war aber seinerseits eine Reaktion auf reale Gewalttaten in den USA.

Publiziert am 22.07.2012






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