Hier stranden? Aber gerne!
In Traumlage sind am Bielersee zwei fantasievoll kombinierte Ferienhäuser für drei Familien entstanden
von Anna Schindler
Das Grundstück am Südufer des Bielersees liegt nur knappe 20 Autominuten vom Stadtzentrum Biel entfernt. Wer auf den Kiesplatz vor den beiden dunklen Holzhäusern einbiegt, wähnt sich in den Ferien.
Die Parzelle ist schon seit drei Generationen in Familienbesitz; darauf gestanden hatte seit den Dreissigerjahren ein Sommerhaus. Den Bedürfnissen der Familie entsprechend kamen im Laufe der Jahre ein erster Annex, später ein zweiter dazu. Sporadisch auftretende Hochwasser hatten dem Ensemble mit der Zeit ebenso zugesetzt wie das Alter. Als bei der Überschwemmung im Jahr 2005 das Erdgeschoss halb in den Fluten versank, beschlossen die drei Besitzerfamilien einen Ersatzneubau. Gewünscht waren drei getrennte Wohneinheiten auf dem Grundstück, damit die Familien je über ihr eigenes Ferienhaus verfügten, im Sommer aber die Wochenenden gemeinsam verbringen konnten.
Der Uferschutz- und Überbauungsplan der Gemeinde gestaltete das Vorhaben schwierig: Die Volumina der Baukörper waren vorgegeben wie die Fassadenhöhe und die Dachneigung sowie ein obligatorischer Dachvorsprung von 80 Zentimetern. Kistler Vogt Architekten aus Biel feilten so lange an Zahl und Form der Baukörper, bis sie die behördlichen Rahmenbedingungen mit einer stimmigen architektonischen Form in Einklang bringen konnten.
Entstanden sind zwei Häuser: ein Doppelhaus näher beim Seeufer und ein Richtung Strasse hin zurückversetztes Einzelhaus. Beide haben dieselbe Form: Ihr Profil entspricht einem Fünfeck mit breiter Grundlinie. Die Seitenwände sind leicht schräg nach aussen gekippt.
Aus allen drei Wohnungen hat man bestmöglichen Seeblick
Der Grundriss des Doppelhauses bildet ein Quadrat von 12 auf 12 Meter, derjenige des Einzelhauses ein halb so breites Rechteck. Das kleinere Gebäude wendet seine eine Längsseite dem See zu, die andere der Strasse. Entsprechend erscheinen seine beiden Hauptfassaden unterschiedlich: Die Strassenseite gibt sich grösstenteils geschlossen mit einer Fassade aus dunkelgrau lasiertem Fichtenholz. Auf der Seeseite öffnet sich das Haus weit. Die Fassade ist mit acht Glasflächen gefüllt: Dreiecke, Fünfecke, Rechtecke und Trapeze. Helle Douglasienrahmen fassen diese Fenster und zeichnen ein elegantes Muster in die Fassade.
Dasselbe Bild bieten beim Doppelhaus die See- wie die Strassenfront. Entsprechend wirkt das grössere Haus transparenter: Vom rückwärtigen Sitzplatz aus fällt der Blick durch die Wohnräume aufs Wasser. Die geometrische Holz-Glas-Füllung der beiden Hauptfassaden kaschiert die Un- terteilung des Doppelhauses: Dass darin zwei an einer Mittelachse gespiegelte und in der Vertikalen ineinander verschränkte Wohneinheiten von je rund 80 Quadratmetern Platz finden, ist von aussen nicht erkennbar.
Die Architekten haben den Grundriss des grösseren Hauses in drei parallele Zonen gegliedert. Die mittlere nimmt zwei Badezimmer auf und öffnet sich unter dem Dach zu je einer Galerie. So entsteht in jeder Haushälfte zusätzlicher, als Wohnbereich nutzbarer Raum. Die äusseren Zonen sind in beiden Hälften gleich gegliedert: Sie bestehen aus einem überhohen Wohn-Essraum mit offener Küche und ebenerdigem Schlafzimmer.
Überall prägen natürliche, warme Materialien die Stimmung: helle, naturbelassene oder weiss lasierte Holzböden, Steinplatten und mit Douglasienholz verkleidete Seitenwände. Die Häuser sind Holzkonstruktionen, vor Ort vom Zimmermann errichtet. Sie stehen auf Betonplatten, die auf Pfählen ruhen, damit der Hochwasserschutz gewährleistet ist. Heizen lassen sich die Sommerhäuser nur mit Chemineeöfen in jeder Wohnung. Für eine minimale Grundwärme sorgt im Winter eine Elektrobodenheizung.
Beide Baukörper sind so voneinander abgedreht und zueinander versetzt, dass alle drei Wohnungen bestmöglichen Seeblick geniessen. Zugleich sind sie so zwischen die teilweise hundertjährigen Bäume positioniert, dass der Zusammenhang des grossartigen Landschaftsraums bestehen bleibt. Elemente wie Schilfgras und die Holzdeckterrassen vor jeder Wohnung schaffen eine einheitliche Atmosphäre. Gartenplatten aus den Fünfzigerjahren wurden erhalten und zu einem Sitzplatz verlegt. Auch der bereits bestehende «Sandstrand», der am steinernen Ufer des Bielersees eigentlich nicht vorkommt, wurde wieder angelegt. Entstanden ist aus diesen Elementen ein Kleinod in einer landschaftlichen Idylle. Kein Wunder, verbringen die Besitzer so viele Wochen wie möglich am See.
Publiziert am 04.07.2010



