Aus der aktuellen Ausgabe

«Gute Architektur braucht gute Bauherrschaften»

Martin Hofer, Bauherr (links), und Meinrad Morger, Architekt:

Unkomplizierte Zusammenarbeit dank klarer Rollenverteilung

Foto: Philippe Rohner


Selten baut ein Architekt für einen anderen Architekten. An Zürichs Waldrand steht seit zwölf Jahren eine Ausnahme - dazu waren nicht 17 Varianten nötig, denn der erste Entwurf sass

von Ariana Pradal

Für jede Bauherrschaft erfindet der Architekt das Haus neu. Dies gilt sowohl für einen kleinen Umbau wie auch für eine grosse Wohnüberbauung, weil sich kein Entwurf ohne Anpassungen an einem anderen Ort reproduzieren lässt. Lage, Boden, Vorschriften wie auch Wünsche und Anforderungen des Investors lassen aus jedem Haus ein Unikat werden. Bei privaten Bauherrschaften hat es der Architekt fast ausschliesslich mit Laien zu tun. Denn kaum ein Architekt lässt sich sein Eigenheim von einem anderen Baukünstler planen, da er diese seltene Gelegenheit gerne selbst in die Hand nimmt.

Nicht so Martin Hofer und seine Frau Caroline Gaszner. Der ausgebildete Architekt liess sich sein Haus in Zürich zwischen Irchelpark und Waldrand vom Basler Architekturbüro Morger & Degelo entwerfen. «Als wir dieses Bauland fanden, arbeitete ich bereits beim Immobilienberatungs-Unternehmen Wüest & Partner. Nach mehreren Jahren als selbstständiger Architekt hatte ich den Bleistift und die Reissschiene zur Seite gelegt», erklärt der Bauherr. «Ich habe mich nie als Architekt von Gottes Gnaden verstanden, noch liess mir mein neuer Beruf genügend Zeit, das Projekt zeitgleich als Architekt und Bauherr zu betreuen», fügt er an.

In seiner neuen beruflichen Funktion als Bauherrenvertreter hatte Martin Hofer bereits mit dem Architekten Meinrad Morger gearbeitet. Morgers Umgang mit Bauherrschaften sowie seine bereits realisierten Wohnprojekte mit mehreren Einheiten und verschachtelten Grundrissen machten ihn zum idealen Partner für Hofers Aufgabe. «Mit meinem ehemaligen sowie meinem jetzigen Architekturbüro Morger Dettli haben wir mehrmals Zwei- oder Dreifamilienhäuser geplant. Die Ausgangslage dafür ist immer die gleiche: Ein Grundstück von etwa 1200 Quadratmetern ist für die meisten Bauherrschaften zu gross und zu teuer, um es alleine zu bebauen. Deshalb überlegen wir uns, wie man zwei oder drei Einheiten darauf platzieren kann, sodass alle gleich attraktiv sind.»

Beim Bauland in der Nähe des Irchelparks gedachte die Bauherrschaft ein Haus mit drei Einheiten zu erstellen, sodass alle drei von allem profitieren würden. Das heisst, jeder Wohnteil musste Stadt- und Waldsicht, Garten- und Dachzugang sowie viel Licht bieten. «Martin Hofer und Caroline Gaszner hatten eine präzise Vorstellung von dem, was sie wollten. Das machte die Aufgabenstellung klar», erklärt Meinrad Morger die Ausgangslage. «Nach nur drei Wochen kam Meinrad Morger mit einem Entwurf zu uns. Es war das, was wir uns vorgestellt hatten, und abgesehen von kleinen Anpassungen entspricht der realisierte Bau dem ersten Entwurf», erzählt Martin Hofer.

Die präzise Formulierung der Bauaufgabe sowie das Verständnis fürs Bauen vonseiten der Bauherrschaft machten es möglich, dass der Bau von der ersten Besprechung bis zur Fertigstellung nur eineinhalb Jahre dauerte. Morger fügt an, dass er bei anderen Bauherrschaften bis zu 17 verschiedene Varianten zeichnen müsse. Das sei hier nicht nötig gewesen, und so ging jeder Schritt rasch voran. Zur unkomplizierten Zusammenarbeit habe zudem beigetragen, dass die Rollen von Anfang an klar aufgeteilt gewesen seien. Obwohl der Bauherr auch Architekt sei, habe er nie selbst entwerfen wollen, fügt der Basler Baukünstler an.

Das besondere am Zürcher Dreifamilienhaus ist die Organisation des Raumprogramms. Der Grundriss besteht aus drei Quadraten, die zusammen einen gleichschenkligen Winkel formen, der sich über zwei Wohngeschosse und eine zurückversetzte Attika erstreckt. Nun haben die Architekten aber nicht eine Wohnung pro Geschoss oder Quadrat angeordnet, sondern alle ineinander verschachtelt, sodass sich zum Beispiel das Schlafgeschoss der einen Einheit in einem und deren Wohnebene sich im anderen Schenkel des Winkels befindet. Diese Anordnung ermöglicht es, dass alle drei Besitzer von den zu Anfang von der Bauherrschaft gestellten Bedingungen profitieren können. «Diese ungewöhnliche Raumaufteilung kam nur dank der ungewöhnlichen Bauherrschaft zustande», bringt der Architekt diese Planung auf den Punkt: «Gute Architektur braucht gute Bauherrschaften.»

Martin Hofer: «Ging der erste Teil der Planung einfach und unkompliziert über die Bühne, stellte sich der zweite als schwieriger heraus. Wir wollten den Bau mit einem Generalunternehmen (GU) realisieren. Das hatte für uns als Bauherrschaft den Vorteil, dass wir nur einen Vertrag abschliessen mussten, anstatt mit jedem einzelnen am Bau beteiligten Unternehmen.» Doch die Vorstellung der Architekten, der Bauherrschaft sowie der Handwerker zur Ausführung war nicht immer deckungsgleich. Gewisse Arbeiten mussten mehrmals ausgeführt oder nachgebessert werden - was vor allem die Bauherrschaft Geld und Nerven kostete. Doch trotz dieser Dispute steht der Bau nun seit zwölf Jahren, und er altert in Würde. Auch wohnen in den drei Einheiten seit Beginn die gleichen Besitzer - was für die Wohnqualität des Baus spricht.

Publiziert am 13.06.2010




16.06.2013 Das Giesserei-Prinzip

09.06.2013 Knorrig wie ein kahler Rebstock

02.06.2013 Mit dem Velo in die Wohnung

26.05.2013 Urbane Siedlung für die Kleinstadt

19.05.2013 Geschützt wurde hier nur die Wurst

12.05.2013 Volle Kontrolle

05.05.2013 Auf Stein gebaut

28.04.2013 Schlanker Gigant

21.04.2013 Wie in einem Roman von Max Frisch

07.04.2013 Massive Leichtigkeit

31.03.2013 Naturnah und urban

24.03.2013 «Zürich muss nicht Manhattan werden, wenn es in die Höhe wächst»

17.03.2013 Denkwürdig wohnen

10.03.2013 Schlicht und feierlich

24.02.2013 Ganz oben auf dem Sonnendeck

17.02.2013 Nah am Wasser gebaut

10.02.2013 Wie ein Fels im Garten

03.02.2013 Komplizierte Scheune

27.01.2013 Das fliegende Olympiazimmer

20.01.2013 Die Fenster zur Freiheit

13.01.2013 Ein Wohnerlebnis fällt aus dem Rahmen

06.01.2013 Formen, Farben und Licht Im Zickzack zur Wohnung

30.12.2012 Grosses Kino mitten auf der Wiese

23.12.2012 Wohnen wie im Freien

16.12.2012 Nachhaltige Freude

09.12.2012 Die Natur einrahmen

02.12.2012 Gemeinschaftswerk

25.11.2012 Ungeheuer beliebt

18.11.2012 Sanierer hauen auf den Putz

11.11.2012 Hotelservice inklusive

04.11.2012 Gelungene Bieridee

28.10.2012 Ein Ferienhaus, das sich gewaschen hat

21.10.2012 Sechsgeschossige Maskerade

14.10.2012 Schlafen in der Ellipse

07.10.2012 Im Geist der Siebziger

30.09.2012 Wald-Kathedrale für Misha

23.09.2012 Reihe an Reihe - und doch ganz privat

16.09.2012 Ein Berner Neubau mit Knick

09.09.2012 Auf Augenhöhe der Kinder

02.09.2012 Energie ernten - ganz einfach

26.08.2012 Ausserirdisch - wie ein Raumschiff im Kornfeld

19.08.2012 Sportlicher Einsatz für die Umwelt

12.08.2012 Unaufdringlich edel

05.08.2012 Ein Hoch auf die Individualisierung

29.07.2012 Schwimmen im Oberdeck

22.07.2012 Wohnen wie in Kalifornien

15.07.2012 Auf dem Holzweg zur neuen Strohhutfabrik

08.07.2012 Ein grünes Dorf im Dorf

01.07.2012 Ein Tempel für die Badekultur

24.06.2012 Stämme aus Stahl

17.06.2012 Der Kreis schliesst sich

10.06.2012 Erfrischend natürlich

03.06.2012 Die Ballungs-Raum-WG

27.05.2012 Charmanter Stilmix

20.05.2012 Wenig Platz, viel Spielraum

13.05.2012 Damit im Alter keiner geknickt ist

06.05.2012 Und es werde Licht

29.04.2012 Runde Sachen

22.04.2012 Das Urteil lautet «ausserordentlich schön»

15.04.2012 Die Krone aufgesetzt

08.04.2012 Sonnenfänger

01.04.2012 Harmonie in Holz

25.03.2012 Die Leichtigkeit des Garten-Hauses

18.03.2012 Aus grau wird grün

11.03.2012 Farbenspiele bis in die Küche

03.03.2012 Der Himmel hängt voller Trauben

26.02.2012 Luxus um jeden Preis

19.02.2012 Das Bauwerk sorgt für gutes Klima

12.02.2012 Einmal rundherum, das ist nicht schwer

05.02.2012 Abgeschottete Idylle

29.01.2012 Leben mit Ecken und Kanten

22.01.2012 Grosses Kino hoch über dem Greifensee

15.01.2012 Vom Un-Ort zum Dorfkern

08.01.2012 Freizügig wohnen im Eiswürfel

01.01.2012 Freibrief für Kreativität

25.12.2011 Junger Alterssitz

18.12.2011 Monolith der Reduktion

11.12.2011 Ein Hang zur Extravaganz

04.12.2011 Wie ein Hochseedampfer auf Bergtour

27.11.2011 Garten eingeschlossen

20.11.2011 Stadt im Umbau

13.11.2011 «Eine Idee umzusetzen, ist wichtiger als ein Geldpreis»

06.11.2011 Wohnskulptur - unauffällig auffällig

30.10.2011 Selbst am Herbstabend Sonne bis ins Erdgeschoss

23.10.2011 Das Atelier auf der Schiffsbrücke

16.10.2011 Geknickte Hoffnung

09.10.2011 Von Dach bis Keller nachhaltig

02.10.2011 Häuser aus «Dreck»

25.09.2011 Eigenwilliger Massanzug

18.09.2011 Umbau auf die sanfte Tour

11.09.2011 Hier spielt die Musik

04.09.2011 Die Latte liegt ziemlich hoch

28.08.2011 Alles andere als handglismet

21.08.2011 Familien fliegen auf den Käferberg

14.08.2011 In Beton gegossene Moderne

07.08.2011 Wohn-Oase mit kleinem Dorf

31.07.2011 Wie unter freiem Himmel

24.07.2011 Rank und schlank

17.07.2011 Fliegerhorst

10.07.2011 Steintürme mit Seesicht

03.07.2011 Wohnhaus mit grossen Einkaufskörben

26.06.2011 Mediterraner Tempel

19.06.2011 Teure Aussichten

12.06.2011 Es werde Licht

05.06.2011 Im Garten Eden

29.05.2011 Wohnen, wo einst Wein gepresst wurde

22.05.2011 Gut und günstig

15.05.2011 Geknickte Tradition

08.05.2011 Schieferbox mit Ausblick

01.05.2011 Auffallend trotz Tarnfarben

24.04.2011 Ruhig und grosszügig

17.04.2011 Facelifting für die alte «Sonne»

10.04.2011 Elegant erweitert

03.04.2011 Haus mit Fernweh

27.03.2011 Das Stadt-Chalet

20.03.2011 Urbane Landschaften: Die Mischung machts

13.03.2011 Aus zwei Wohnhäusern wird ein Stadthotel

06.03.2011 Geometrie des Lichts

27.02.2011 Das Wald-Haus

20.02.2011 Ein Bijou von Scheune

13.02.2011 Panoramablick über die Zürcher Altstadt

06.02.2011 Ein Traum von Raum

30.01.2011 Grosszügigkeit in Beton

23.01.2011 Ein paar Steine im Brett

16.01.2011 Alles im Rahmen

09.01.2011 Ein kleines Reich für drei Generationen

01.01.2011 Raum für Ruhe

26.12.2010 Familienschachteln

19.12.2010 Verdichtung nach innen

12.12.2010 Schön, praktisch - öko

05.12.2010 Eleganter Turm mit Lichtspiel

28.11.2010 Luxus-Baracken

21.11.2010 Wohnen auf der eigenen Scholle

14.11.2010 Ferienwohnungen sind keine Kapitalanlage

07.11.2010 Eleganter Energiesparer

31.10.2010 Endlich mit Aussicht

24.10.2010 Ein Thron über dem See

17.10.2010 Boxenspiel im Bauernhaus

10.10.2010 Wohnen in der Schlaufe

03.10.2010 Kraftvoll und doch elegant

26.09.2010 Wohnen in der Autowerkstatt

19.09.2010 Häuschen statt Kabäuschen

12.09.2010 Geballte Kraft in Strohbauten

05.09.2010 Eher eine Skulptur als ein Haus

29.08.2010 Boxenstopp

22.08.2010 Familienkiste

15.08.2010 Die helle Freude

08.08.2010 Aussen streng, innen grosszügig

01.08.2010 Dynamik an allen Ecken

25.07.2010 Lila, lila

18.07.2010 Für Gäule längst zu schade

11.07.2010 Der Umbau im Kreis 4 verdient eine 6

04.07.2010 Hier stranden? Aber gerne!

27.06.2010 Epochal guter Mischmasch

20.06.2010 Bijou von raffinierter Schlichtheit

13.06.2010 «Gute Architektur braucht gute Bauherrschaften»

06.06.2010 Herausforderung für eingefleischte Stilmischer

29.05.2010 Hundert Jahre jung

23.05.2010 Kapitän Nemo fände es toll

16.05.2010 Sanftes Lifting für die nächste Generation

09.05.2010 Berauschend schöne Aussicht

02.05.2010 Verdichtetes Villenviertel

25.04.2010 Sinnliche Senioren-Oase

17.04.2010 Aller guten Dinge sind drei

11.04.2010 Spass an der Autobahn

04.04.2010 Wer im Glashaus sitzt ...

28.03.2010 Immobilien Extra: Feuchtgebiete

Geldberater

Informationen und Tipps von Geldberater Fredy Hämmerli.

zum Geldberater

Immotipp

Skandinavischer Wohntraum mit grossem Garten

zum Inserat

TV-Tipps Immobilien

Aktuell im TV zum Thema Immobilien"Immobilien"-TV-Sendungen

Empfehlungen von Freunden