Aus der aktuellen Ausgabe

Fertig Häusle baue

Junge Grüne starten eine Volksinitiative gegen Einfamilienhäuser

Von Pascal Tischhauser

BERN Die Jungen Grünen wollen den Bau von Einfamilienhäusern untersagen. Sie planen mehrere kommunale und kantonale Initiativen. Im Frühling 2014 möchten sie eine nationale Volksinitiative mit demselben Ziel starten. Nach ihrem Willen sollen die Kantone und die Gemeinden dazu verpflichtet werden, «keine Bauzonen niedriger Dichte» mehr zu erlauben. «Einfamilienhäuser sind dann nicht mehr möglich», sagt Andreas Lustenberger und schiebt zur Begründung für das Vorhaben nach: «Einfamilienhäuser sind ein ökologischer Blödsinn!» Es sei weit sinnvoller, verdichtet grössere Wohnbauten in den Metropolitan-Regionen zu erstellen, statt immer mehr Freiflächen in der Schweiz mit vielen kleinen Häuschen zuzubauen, so der Co-Präsident der Jungen Grünen Schweiz. Darum habe seine Partei nun eine nationale Projektgruppe ins Leben gerufen, die die verschiedenen Initiativen koordiniert.

Das Raumplanungsgesetz geht vielen Grünen nicht weit genug

Der offizielle Startschuss fürs «Einfamilienhaus-Aus» soll Ende Juni fallen. Dann starten laut Lustenberger die Jungen Grünen in der Stadt St. Gallen das erste Volksbegehren. Läuft alles nach Plan, folgt Ende Jahr eine Initiative im Kanton Bern und Anfang 2014 eine weitere im Kanton Solothurn.

In der Mutterpartei findet das Vorhaben der Jungpartei Unterstützung, denn vielen Grünen geht die Revision des Raumplanungsgesetzes noch nicht weit genug. Und es entfalte seine Wirkung zu spät: «Weil das Raumplanungsgesetz erst in fünfzehn Jahren Wirkung zeigt, bin ich total froh, dass die Jungen Grünen jetzt eine wirkungsvollere Lösung präsentieren», sagt Irène Kälin, Vizepräsidentin der Grünen Schweiz. Die Aargauer Grossrätin glaubt, dass nur mit einem Verbot gegen die Zersiedelung vorgegangen werden könne.

Auch Grünen-Vize Josef Lang findet die Initiative gut. Das «Hüüsli- und Döörffli-Denken» müsse ein Ende haben, sagt der Alt-Nationalrat.

Die Grünen-Co-Präsidentin Regula Rytz ist vorsichtiger. Die Grünen setzten auf Bundesebene vor allem auf die aktuelle und die kommende Revision des Raumplanungsgesetzes, welche das verdichtete Bauen zum Normalfall machen würde.

Die ambitionierten Pläne der Jungpartei gehen aber viel weiter. Sie träumen von gemeinschaftlichen Wohnformen. Nur wenn nicht jeder jedes Haushaltsgerät selbst anschaffen müsse und der Wohnort wieder stärker zum Lebens-, Arbeits- und Freizeitraum werde, liesse sich die 2000-Watt-Gesellschaft erreichen, meint Lustenberger. Mit dem Wunsch nach Wohnen in Mega-WG dürfte er es beim Stimmvolk aber nicht einfach haben.

Buchs im St. Galler Rheintal: «Einfamilienhäuser sind ökologischer Blödsinn»Foto: Keystone

Publiziert am 03.03.2013




Wetter

Fr 5°|13°

Sa 5°|13°

So 5°|14°


Mehr Wetter

Empfehlungen von Freunden