Aus der aktuellen Ausgabe

Erdgas: Wirtschaft ist gegen ein Fracking-Verbot

Swissmem und Economiesuisse kritisieren die ablehnende Haltung von Energieministerin Leuthard

von Benno Tuchschmid

Zürich Die Energiedebatte in der Schweiz entzündet sich an einer neuen Thematik: der umstrittenen Erdgas-Fördermethode «Fracking». Bundesrätin Doris Leuthard hatte sich vergangene Woche mehrmals skeptisch gegenüber der Fördertechnologie geäussert. Jetzt kritisieren Schweizer Industrie- und Wirtschaftsverbände diese Haltung scharf und wollen die Tür für diese Technologie offen halten. Hans Hess, Swissmem-Präsident, sagt: «Man sollte sich zuerst mit den Vor- und Nachteilen von neuen Technologien auseinandersetzen, bevor man sie verteufelt und verbietet.» Auch dem Schweizer Wirtschaftsdachverband Economiesuisse missfallen die bundesrätlichen Äusserungen. Chefökonom Rudolf Minsch sagt: «Kategorische Nein-Formulierungen waren noch nie gut.»

Ostschweizer Motion gegen deutsches Bodensee-Fracking

Die Debatte um die Fracking-Methode ist in der Schweiz aufgrund von Förderplänen in Süddeutschland entbrannt. Zwei Firmen planen auf der deutschen Seite des Bodensees Schiefergasförderung - zum Entsetzen der Anwohner auf der Schweizer Seite. Denn die Umweltverträglichkeit der Fördermethode ist schwer umstritten. Beim Fracking wird mithilfe von chemischen Substanzen Erdgas aus Gesteinsschichten gepresst. Immer wieder kommt es dabei zu Grundwasserverschmutzung. Seit Freitag sind die Pläne am Bodensee deshalb auch ein Thema in Bundesbern: Der St. Galler SVP-Nationalrat Lukas Reimann hat eine Motion eingereicht, in der er den Bundesrat auffordert, sich auf internationaler Ebene gegen die Pläne einzusetzen. Sämtliche Ostschweizer Parlamentarier haben den Vorstoss unterschrieben.

Die Boomregion des Frackings sind die USA: In 29 der 50 Bundesstaaten wird mit dieser Methode gebohrt. Auch in Europa ist einiges in Bewegung: Letzte Woche hat die britische Regierung ein im Mai verhängtes Moratorium gegen die Förderung von Schiefergas aufgehoben. Und der deutsche Bundesrat verschärfte am Freitag zwar die Auflagen, verzichtete aber auf ein von den Grünen gefordertes Verbot der Fördermethode.

«Fördertechnologie auch in der Schweiz vorurteilsfrei» prüfen

Noch debattiert die Schweizer Politik über Fracking-Projekte ausserhalb der Landesgrenzen. Doch dies könnte sich ändern, denn auch in der Schweiz gibt es grosse Erdgasvorkommen. Sie werden auf bis zu 200 Milliarden Kubikmeter geschätzt; damit könnte der Erdgasbedarf der Schweiz rund 60 Jahre gedeckt werden. In den Kantonen Neuenburg und Solothurn stehen Entscheide zu Schürfkonzessionen aus. Unter dem Genfersee wird mit grossen Vorkommen gerechnet, und auch in den Kantonen Aargau, Bern und Waadt suchen verschiedene Förderfirmen Erdgas.

Geht es nach der Schweizer Wirtschaft, soll deren Förderung durch Fracking zumindest nicht ausgeschlossen werden: «Diese Fördertechnologie sollte auch in der Schweiz vorurteilsfrei geprüft und nicht vorschnell vom Bundesrat verurteilt werden», sagt Rudolf Minsch.

Publiziert am 16.12.2012




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