Aus der aktuellen Ausgabe

Recycling-Wirrwarr

In Sammelstellen von Nespresso finden sich immer mehr Kunststoffkapseln

Von Silja Kornacher und Petra Wessalowski

Lausanne Immer mehr Plastik-Kaffeekapseln der Konkurrenz landen im Sammelsystem von Nespresso. Da Nespresso die Aluminiumhülle der Kapseln patentiert hat, stellen viele Nachahmer ihre Kapseln aus Kunststoff her.

Pascal Hottinger, Direktor Nespresso Schweiz, bestätigt: «Andere Kaffeekapseln, die irrtümlich in den Recyclingcontainern landen, können nicht recycelt werden. Sie müssen aufwendig aussortiert und entsorgt werden.» Beim Nespresso-Recycling wird in einem speziellen Verfahren das Aluminium vom Kaffeesatz getrennt. Die Firma sehe sich durch die Zunahme von Plastikkapseln gezwungen, die Sortierarbeit technisch aufzurüsten. Zudem informiere sie Kunden direkt und über Mailings.

Damit steht Nespresso im Kapselkrieg vor einem weiteren Problem. Chris Rüegg von der Igora-Genossenschaft für Aluminium-Recycling sieht das von Nespresso finanzierte Recyclingsystem bedroht. In der Schweiz werden Kapseln seit 20 Jahren wiederverwertet. Laut eigenen Angaben bietet Nespresso ein flächendeckendes Angebot, «bei dem bereits über drei Viertel aller Nespresso-Kunden in der Schweiz eine von insgesamt 2600 Kapselsammelstellen in einer Entfernung von weniger als zwei Kilometern von ihrem Zuhause vorfinden». Mit dem «Recycling at Home», das Nespresso mit der Post schweizweit seit Sommer anbietet, könnte theoretisch jeder Kunde seine Nespresso-Kapseln rezyklieren lassen. Das Angebot, seine gebrauchten Kaffeekapseln vom Pöstler abholen zu lassen, soll ab 2013 für eine Bestellung ab 200 Kapseln kostenlos werden.

Eine Auswertung der Empa-Materialprüfer zeigt: Werden die Alukapseln von Nespresso tatsächlich rezykliert, weisen sie im Vergleich zu anderen Kapselsystemen die geringste Umweltbelastung auf. Das Bundesamt für Umwelt (Bafu) hat jedoch in seiner Abfalluntersuchung festgestellt, dass immer noch viele Kaffeekapseln aus Aluminium im Haushaltskehricht landen. Das Bafu sieht aber keinen Handlungsbedarf: Man wolle keine Recyclingquote für Alukapseln vorgeben.
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Viele Lebensmittel landen im Abfall

Das Bundesamt für Umwelt (Bafu) erhebt alle zehn Jahre die Zusammensetzung des Hauskehrichts in der Schweiz.

Jüngst wurden 500 Kilogramm Kehricht aus 33 repräsentativ ausgewählten Gemeinden analysiert. Die Ergebnisse werden 2013 publiziert. Ein besonderes Augenmerk gilt originalverpackten Lebensmitteln, Glasflaschen und Alugetränkedosen. Michael Hügi vom Bafu sagt: «Neu wird beim biologischen Abfall der Anteil noch konsumierbarer Lebensmittel untersucht. Mit diesen Resultaten können andere Projekte des Bundes zur Vermeidung von sogenanntem Food Waste unterstützt werden.» Erste Tendenzen lassen sich bereits erkennen. Markus Christen von der mit der Studie beauftragten Firma Ökomobil bestätigt, dass Lebensmittel im Haushaltsabfall den grössten Anteil ausmachen: «Es ist erschreckend, wie viele Nahrungsmittel im Abfall landen. Teilweise haben wir noch verpackte oder verschweisste Esswaren gefunden.» Die ETH Zürich will bald eine Studie über Nahrungsmittelabfall in Haushalten durchführen.

Publiziert am 25.11.2012




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