Aus der aktuellen Ausgabe

Pro Juventute streicht Stellen

Prestigeprojekt Elternclub: Zu wenig Mitglieder, zu wenig Beratungen

Von Seraina Kobler

Zürich Die Pro Juventute stösst beim grössten Projekt ihrer Geschichte, dem von privaten Investoren getragenen Elternclub Schweiz, auf grosse Probleme. Recherchen der SonntagsZeitung zeigen, dass die gemeinnützige Organisation schon im Sommer rund ein Dutzend Mitarbeiterinnen, die telefonisch Eltern beraten sollten, entlassen hat.

In den letzten Tagen hat die Geschäftsleitung auch das Internet-Team redimensioniert. Stephan Oetiker, Direktor der Pro Juventute, bestätigt die Kündigungen von 12 Beraterinnen mit insgesamt 600 Stellenprozenten und einen Abbau im Umfang von zwei Vollstellen im Content-Team des Elternclubs.

In einem Kündigungsschreiben, das der SonntagsZeitung vorliegt, begründet Pro Juventute die Massnahme damit, dass sich die Nachfrage «tiefer als erwartet» entwickle. Statt der 10 000 bis 20 000 Mitgliedschaften im ersten Jahr konnte das Hilfswerk bis Ende Sommer gerade mal 1000 Mitgliedschaften verkaufen.

Weil die Migros Aare vor kurzem 10 000 Mitgliedschaften für einen reduzierten Preis gekauft hat, um sie an Eltern mit nachweislich tiefen Einkommen zu verteilen, konnte das Ziel dennoch erreicht werden.

Im Zusammenhang mit den Kündigungen betont Oetiker: «Wir haben sofort reagiert, als sich zeigte, dass sich die Nachfrage nach Beratungsleistungen tiefer entwickelte als geplant.» Alles andere wäre unverantwortlich gewesen. Dem widersprechen Aussagen von Personen aus der und um die Pro Juventute, wonach das Team der Beraterinnen schon Anfang Sommer dafür plädierte, die Dienstleistungen weniger schnell auszubauen, um das Budget zu schonen. Diese Version wird durch interne Korrespondenz gestützt, welche die SonntagsZeitung einsehen konnte.

Erneuerung des Gütesiegels durch die Zewo ist hängig

Das Beispiel der Migros Aare soll nun zum Rettungsanker werden. Mit der Anpassung an das Bedürfnis der Eltern liege der Fokus jetzt auf der Gewinnung solcher Kollektivteilnehmer. Weil sich bei der Bearbeitung vieler solcher Mitgliedschaften Arbeitsabläufe auf einmal einsparen lassen, können die Mitgliedschaften laut Pro Juventute auch zu einem tieferen Preis angeboten werden.

Auf wenig Interesse stösst das im Mai lancierte Kinderabo, das die Stiftung zusammen mit Sunrise verkauft. Sunrise-Sprecher Tobias Kistner sagt: «Die Zahl der Aktivierungen liegt im dreistelligen Bereich.»

Pro Juventute kämpft noch an einer weiteren Front: Die Stiftung Zewo, die vertrauenswürdigen Hilfswerken ein Gütesiegel verleiht, bestätigt, dass «die Rezertifizierung von Pro Juventute derzeit noch hängig ist». Über allfällige Auflagen, die die Organisation in einer bestimmten Frist erfüllen muss, wenn sie das Zewo-Gütesiegel behalten will, entscheide der Stiftungsrat der Zewo an seiner nächsten Sitzung im Dezember. Weitere Angaben macht die Zewo mit Verweis auf das laufende Verfahren nicht.

Bei Pro Juventute hält Geschäftsführer Oetiker fest, dass es sich bei Rezertifizierung um einen ordentlichen Prozess handle.

Publiziert am 18.11.2012




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