Aus der aktuellen Ausgabe

Krankenkassen: Verwaltung kostet wieder mehr

In den letzten zehn Jahren sind die Administrationskosten pro Versicherten im Durchschnitt um 30 Prozent gestiegen

Von Petra Wessalowski

Bern Jeder Prämienzahler zahlt 35 Franken oder knapp 30 Prozent mehr für die Administration der Krankenkassen, sprich Löhne und Werbung, als noch 2001. Das zeigen neue Zahlen des Bundesamts für Gesundheit (BAG), die bisher einer breiten Öffentlichkeit nicht bekannt waren.

Im Gegensatz dazu brüsten sich die Krankenversicherer mit «rekordtiefen» 4,8 Prozent Ausgaben für ihre Administration. Die Zahl stimmt, doch sie ist nicht gesunken. Zudem erreichen nur 4 der 14 Kassen mit über 100 000 Versicherten diesen Wert. Die Unterschiede zwischen den 63 Kassen sind riesig. Bei der Bündner Vita Surselva zahlen die 7000 Versicherten mit 33 Franken pro Kopf oder 1,4 Prozent die geringsten Verwaltungskosten. Mit 340 Franken oder knapp 9 Prozent sind es bei der Vivao Sympany zehnmal mehr. Die Kasse argumentiert, sie habe deutlich mehr Versicherte mit einer Franchise von 300 Franken. Dadurch fielen mehr Kosten für Leistungszahlungen an.

Auch der Krankenversicherungsverband Santésuisse betont, dass der Aufwand in den letzten Jahren gestiegen sei. Die Zahl der kontrollierten Rechnungen habe sich innert acht Jahren um 60 Prozent auf 102 Millionen erhöht.

Ob die Verwaltungskosten zu hoch sind, überprüft das BAG. Es hat in den letzten vier Jahren eine einzige Kasse extern untersuchen lassen. Die Höhe wurde für plausibel gehalten. «Wir konnten nicht einschreiten», sagt Helga Portmann, die Leiterin Versicherungsaufsicht. Mit dem Aufsichtsgesetz, das derzeit im Parlament ist, könnte der Bundesrat klare Limiten verordnen. Doch die ständerätliche Kommission hat den entsprechenden Paragraf eben erst herausgestrichen.

Für Transparenz beim bundeseigenen Krankenkassenvergleichsdienst www.priminfo.ch setzt sich nun die Waadtländer FDP-Nationalrätin Isabelle Moret mit einer Motion ein. Neben der Prämie sollen die Verwaltungskosten angezeigt werden. Dem Vernehmen nach unterstützt der Bundesrat den Vorstoss.

Publiziert am 11.11.2012




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