Aus der aktuellen Ausgabe

1 000 000 Autofahrer in Zürich

Anzahl Fahrprüfungen steigt, doch etliche Junge verzichten auf eigenen Wagen

Von Silja Kornacher und Petra Wessalowski

Zürich Erstmals verzeichnet ein Kanton über eine Million Autofahrer: In Zürich haben derzeit 1 006 232 Einwohner den Führerschein in der Kategorie B. Das zeigen die neusten Zahlen des Kantonalen Strassenverkehrsamts. Entgegen den Medienberichten der letzten Tage bestätigt sich damit der Trend zum Autofahren. Allein im Jahr 2011 besassen über 85 Prozent der über 18-Jährigen im Kanton Zürich einen Führerschein.

2012 zeichnet sich eine Verschiebung ab. Bei den 18- bis 19-Jährigen sank die Zahl der Führerausweise um 200, dafür stieg sie bei den 20- bis 29-Jährigen um 2300. «Jugendliche, die in der Agglomeration wohnen, machen den Führerschein nicht sofort mit 18 Jahren, sondern etwas später», sagt Sven Britschgi, Geschäftsführer der Vereinigung der Strassenverkehrsämter (ASA).

Das Bundesamt für Statistik berichtet im Mikrozensus Mobilität und Verkehr im Jahr 2010 einen klaren Rückgang beim Führerscheinbesitz. Diese Daten basieren allerdings auf Stichprobenbefragungen. Die absoluten Zahlen der Strassenverkehrsämter sind aussagekräftiger: Sie steigen bei den bestandenen Prüfungen seit Messbeginn 2001 tendenziell. Den Zuwachs an Neulenkern zeigt auch die nebenstehende Grafik. «Schweizweit verzeichnen wir jährlich rund 80 000 Neulenker. Diese Zahl hat nicht abgenommen, sie ist sogar leicht steigend», sagt Sven Britschgi.

Modelle wie Carsharing sind bei Jungen beliebt

Die Prüfungserfolgsquote liegt seit Jahren im Schnitt bei 65 Prozent. Somit führt das seit 2005 geltende Zweiphasen-System weder zu weniger Fahrprüfungen noch zu weniger Führerausweisen. Im Zweiphasen-System erhalten Neulenker den Führerschein nur auf Probe. Sie müssen innerhalb von drei Jahren zwei Weiterausbildungstage besuchen und unfallfrei fahren.

Bei den jugendlichen Neulenkern zeichnet sich trotz anhaltender Begeisterung fürs Autofahren ein klarer Trend ab: die Alternative zum eigenen Auto. 80 Prozent der 16- bis 24-Jährigen besassen 2011 ein GA, ein Halbtax- oder ein Verbundabo. Damit sind die Jugendlichen die Gruppe mit den meisten Abos für den öffentlichen Verkehr in der Schweiz, wie eine Studie vom Verband öffentlicher Verkehr zeigt.

Modelle wie das Carsharing sind ebenfalls beliebt. So verzeichnete Mobility Schweiz in den letzten drei Jahren einen überdurchschnittlichen Zuwachs an 18- bis 35-jährigen Kunden.

Der Besitz eines eigenen Autos ist bei den Jungen nicht mehr eine Notwendigkeit. Das spüren auch die drei grössten Motorfahrzeugversicherer Allianz, Axa Winterthur und Zürich. Alle stellen fest, dass bei den 18- bis 25-jährigen Lenkern die Versicherungsabschlüsse in den letzten Jahren rückläufig sind - bis zu zehn Prozent. Das sei besonders in den städtischen Regionen wie Zürich, Basel und Zug, aber auch im Tessin der Fall.

Publiziert am 04.11.2012




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