5000 Soldaten, 2500 Polizisten
Die Planer von Olympia 2022 in Graubünden rechnen mit Sicherheitskosten von 410 Millionen Franken
Von Benno Tuchschmid
Zürich Die Initianten von Graubünden 2022 werben mit der Rückkehr zu den Wurzeln der Olympischen Winterspiele. Schon jetzt ist klar: Im Bereich Sicherheit wäre Graubünden 2022 für die Schweiz ein Aufbruch zu neuen Ufern. Das zeigt ein der breiten Öffentlichkeit bislang unbekannter Bericht, der die Grundlage für die Botschaft des Bündner Regierungsrats bildet. Darüber verhandelt das kantonale Parlament im Dezember.
Der Personalaufwand wäre enorm: 2500 Polizisten, 5000 Soldaten und 800 Zivilschützer wären nötig, um die Spiele sicher zu machen. Sie stünden während der ganzen Dauer der Spiele im Einsatz. Als Vergleich: Während der Euro 08 kamen an den 15 Spieltagen im Schnitt 600 Polizisten zum Einsatz - aber nur für einen Tag. Die alpine Topografie bietet zwar durchaus Vorteile: Gemäss Martin Jäggi, Leiter Projekt Sicherheit bei Graubünden 2022, wären das Landwassertal und das Oberengadin relativ leicht zu sichern. Und: «Es gibt im Wintersport keine Hooligans», so Jäggi, der bereits für die Sicherheit bei der Euro 08 zuständig war. Deshalb bräuchte es nur 200 Polizisten für den Ordnungsdienst.
Wird die Weltlage unsicherer, steigen auch die Ausgaben
Doch die grosse Zahl der völkerrechtlich geschützten Personen, die vor allem an der Eröffnungszeremonie erwartet werden, würde die Organisatoren vor grosse Herausforderungen stellen: Könige, Präsidenten, Minister. Alleine für den Personenschutz würden 250 Polizisten abkommandiert.
Eine weitere Schwierigkeit wäre gemäss Jäggi die Dauer der Veranstaltung: «Mit den Paralympics kämen wir auf eine Einsatzdauer von rund 50 Tagen.» Die Dauer der Olympischen Winterspiele wäre auch der grösste Kostentreiber. Laut den Planern würden die Totalkosten für die Sicherheit rund 410 Millionen Franken betragen; davon müsste die öffentliche Hand 249,6 Millionen Franken bezahlen, den Rest die Veranstalter - sofern die Sicherheitslage gleich bleibt. Bei grösserer Gefährdung wären auch die Kosten höher. Zum Vergleich: Für die Euro 08 bezahlten Bund, Kantone und Austragungsorte Sicherheitskosten von 64,4 Millionen Franken. Im Vergleich zu den Olympischen Spielen von Vancouver wäre das Budget immer noch relativ bescheiden. Dort kostete die Sicherheit umgerechnet rund 900 Millionen Franken.
In Zeiten angespannter Finanzlage bei Bund und Kantonen sind 249,6 Millionen Franken viel. Von den Sicherheitskosten müsste der Kanton Graubünden 182,5 Millionen übernehmen, davon 130 Millionen für den Einsatz von Polizisten aus anderen Kantonen und dem Ausland. Doch der Kanton Graubünden ist klamm: Ab 2014 bis 2016 rechnet er mit jährlichen Defiziten von über 100 Millionen Franken. Die Bündner hoffen, dass ihnen die übrigen Kantone die Verrechnung des interkantonalen Polizei-Einsatzes (Ikapol) erlassen würden.
Polizisten wollen nicht mehr in Zivilschutzanlagen schlafen
Am 15. und 16. November informieren die Initianten die kantonalen Polizei- und Justizdirektoren zum ersten Mal über ihr Konzept. Gemäss dem zuständigen Bündner Regierungsrat Hansjörg Trachsel, Vorsteher des Departements für Volkswirtschaft und Soziales, wäre die personelle und finanzielle Hilfe der übrigen Kantone von entscheidender Bedeutung: «Alleine wäre der Kanton Graubünden nicht in der Lage, die erforderliche Sicherheit zu gewährleisten», sagt Trachsel.
Die Kantone haben erst einmal auf die Verrechnung der Ikapol-Kosten verzichtet: bei der Euro 08. Damals mussten sie 28,7 Millionen Franken bezahlen.
Ein Problem wären auch die knappen polizeilichen Ressourcen. Das halten auch die Autoren des Konzepts fest. Der Genfer Regierungsrat und Sicherheitsdirektor Pierre Maudet sagt: «Mit den heutigen polizeilichen Mitteln könnten wir eine Veranstaltung dieser Dimension und Dauer nicht durchführen.» Falls die Bündner Bevölkerung am 3. März 2013 dem Projekt zustimme, müsse über die Schaffung eines nationalen Polizeikorps nachgedacht werden. «Erst dann können wir darüber reden, wie sich die Kantone finanziell beteiligen.»
Auch die Polizeigewerkschaft VSPB will die Entwicklung genau verfolgen: «Es bräuchte anders als bei der Euro eine einheitliche Entschädigung», sagt Max Hofmann, Generalsekretär des VSPB. Und: Eine Unterbringung der Polizisten in Zivilschutzanlagen würde nicht mehr infrage kommen.
Publiziert am 28.10.2012




