Aus der aktuellen Ausgabe

Der Chef fand Mörgelis Arbeitsvolumen «genügend»

Professor Condrau monierte bereits im Februar den «negativen Beitrag» des SVP-Politikers zum Ansehen des Fachs

von Reza Rafi

Zürich Die Theorie, dass Christoph Mörgelis Entlassung durch die Uni Zürich eine politische Komponente hat, erhält neuen Auftrieb: Sein Chef Flurin Condrau hatte bereits in der ersten (ungenügenden) Mitarbeiterbeurteilung vom 10. Februar 2012 explizit die schlechte Aussenwirkung des kantigen, mitunter polemisierend auftretenden SVP-Politikers erwähnt. Die SonntagsZeitung hatte Einblick in das achtseitige, bisher unter Verschluss gehaltene Dokument. Unter Punkt 5.7, «Integration in die Disziplin Medizingeschichte», steht darin wörtlich: «Negativer Beitrag zum Prestige der Disziplin unter Fachkollegen und in der Öffentlichkeit.» Mit anderen Worten: Der SVP-Chefideologe und Blocher-Vertraute beschmutzt das Ansehen der Medizinhistoriker. Die Benotung lautet in diesem Punkt denn auch «ungenügend».

Eher überraschend mutet Condraus Beurteilung von Punkt 2.2, dem Arbeitsvolumen, an: Der Ordinarius gab Mörgeli hier die Note «genügend». Das bedeutet «mehrheitlich erfüllt». Offenbar war Condrau entgegen anderer Meinungen der Ansicht, dass der umtriebige Nationalrat sein Pensum als Uni-Angestellter erfüllte. Im Wortlaut kommentiert der Chef dazu: «Stelleninhaber ist NR, Kolumnist für die ?Weltwoche?, Autor für Roche sowie wiss. Mitarbeiter und Konservator.»

Arbeitsrechtler sind sich einig, dass der Einbezug öffentlicher Äusserungen und politischer Tätigkeiten eines Angestellten in eine Leistungsbeurteilung heikel ist. Das Gericht müsse entscheiden, resümiert HSG-Professor Thomas Geiser zu dem Fall. Condrau selber wollte auf Anfrage keine Stellung nehmen.

Condrau soll das Wort «basteln» entfernen

Während die einmonatige Rechtsmittelfrist noch läuft, spitzt sich der juristische Streit zwischen dem Politiker und der Hochschule zu: Mörgelis Anwalt Manfred Küng hat am Freitag schriftlich an die Adresse der Uniratsmitglieder einen öffentlichen Maulkorb für die Kader der Hochschule zur Causa Mörgeli verlangt. Gegen Rektor Andreas Fischer, Bildungsdirektorin Regine Aeppli und Unirätin Kathy Riklin stellt Küng ein Ausstandsbegehren, da diese bereits öffentlich zum Fall Stellung bezogen hätten. Anlass von Küngs Schreiben ist die Erneuerung seines Akteneinsichtsgesuchs vom 4. Oktober. Diesem ist die Uni bislang nicht nachgekommen. Er erwarte die verlangten Protokolle binnen zweier Arbeitstage, schreibt Küng. Des weiteren ersucht er Professor Condrau, die Website des Museums zu ändern. Dort steht: «Wir ?basteln? im Moment an einer neuen Sonderausstellung.» Der Begriff «basteln» sei «umgehend zu entfernen», weil dieser die Institutsmitarbeiter als «Bastler» diffamieren würde.

Publiziert am 14.10.2012




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