Klee-Zentrum verärgert Italien
Der Nationalgalerie in Rom werden Werke für eine Ausstellung vorenthalten
Von Ewa Hess und Petra Wessalowski
Bern/Rom Die Vorwürfe ans Zentrum Paul Klee in Bern sind gravierend. Geäussert hat sie die Direktorin der italienischen Nationalgalerie für moderne Kunst in Rom. Maria Vittoria Marini Clarelli warf anlässlich der Eröffnung der Ausstellung «Paul Klee und Italien» letzten Dienstag dem Klee-Zentrum vor, dass es «andere Museen zu überzeugen versuchte, nicht an der Ausstellung teilzunehmen». So wird sie jedenfalls im «Corriere della Sera» zitiert.
Statt der angekündigten75 Werke des in der Schweiz geborenen deutschen Malers sind in Rom lediglich 43 zu sehen. 30 Bilder sowie Briefe, Bücher und Dokumente wollten die Italiener vom Klee-Zentrum, das mit rund 4000 Werken die grösste Klee-Sammlung besitzt. Laut der Kuratorin hätten die Berner im letzten Moment abgesagt, weil die Luftfeuchtigkeit zu hoch sei.
Die Graphische Sammlung der ETH Zürich wurde laut deren Leiter Ernst Tanner vom Klee-Zentrum informiert, dass «die Feuchtigkeits- und Helligkeitswerte in Rom nicht genügen». Das habe sie besorgt, weil man wisse, dass die italienischen Museen manchmal nachlässig seien und sie - im Gegensatz zum Klee-Zentrum - nicht die finanziellen Möglichkeiten hätten, die Bedingungen für jede Leihgabe akribisch zu prüfen.
Die Graphische Sammlung bat das Kunsthaus, ihre Werke mitzubetreuen, und lieferte mit fünf sensiblen frühen Radierungen am meisten Werke. Auch das Kunsthaus Zürich stellte drei Klees zur Verfügung. Darunter «Überschach», das in den letzten zehn Jahren nur zweimal ausgeliehen worden ist und ein zentrales Werk in Klee-Publikationen ist.
«Wir hatten keine Bedenken, dass die Werke Schaden nehmen könnten», sagt Kunsthaus-Sprecher Björn Quellenberg. Eine Restauratorin sei vor Ort gewesen und die Klimawerte seien beim Aufbau der Ausstellung in Ordnung gewesen.
Auch die Fondation Beyeler in Riehen, die Münchner Pinakothek der Moderne, die Wiener Albertina, das Pariser Centre George Pompidou und das New Yorker Guggenheim schickten bis zu vier Werke an die vor einem Jahr nach einer Renovation neu eröffnete italienische Nationalgalerie.
Das Berner Zentrum Paul Klee will sich nicht äussern
Mit den Äusserungen in Rom steht der Vorwurf im Raum, das Zentrum Paul Klee habe Stimmung gemacht gegen eine konkurrierende Ausstellung. Wenn renommierte Häuser keine klimatischen Probleme festgestellt haben und ihre Werke zur Verfügung stellen, steht das Berner Museum isoliert da.
Das Vorgehen ist in der Museumsszene zumindest unüblich. Damit konfrontiert hat das Zentrum Paul Klee auf Anfrage nicht reagiert. Und Stefan Frey, der für das Klee-Zentrum in Rom die Örtlichkeiten besichtigt hat, will sich nicht äussern, weil das Ganze «zu unerfreulich sei».
Publiziert am 14.10.2012




