Aus der aktuellen Ausgabe

Fachkollegen: Ohne Mörgeli

Wissenschaftliche Gesellschaft will den Medizinhistoriker ausschliessen

von Reza Rafi

Zürich Für SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli wird die Situation in seinem Arbeitsumfeld immer unangenehmer: Jetzt will ihn die Schweizerische Gesellschaft für Geschichte der Medizin und der Naturwissenschaften (SGGMN), die zentrale Organisation von Mörgelis Fachkollegen, ausschliessen. Grund ist eine Aussage Mörgelis im «Tages-Anzeiger» vom Mittwoch.

Mörgeli, der als Titularprofessor für Medizingeschichte tätig ist, bezichtigt darin die beiden Chefredaktoren des Fachjournals «Gesnerus», Vincent Barras und Hubert Steinke, vor sieben Jahren einen Artikel von ihm aus politischen Gründen nicht gedruckt zu haben. Die Organisation ist auch Herausgeberin der Zeitschrift.

Für Hans Konrad Schmutz, Präsident der SGGMN, ging die Bemerkung Mörgelis zu weit: «Wir sind eine wissenschaftliche Fachgesellschaft», sagt er auf Anfrage. «Es ist daher unser innerster Anspruch, ausschliesslich wissenschaftlich zu sein. Uns zu unterstellen, wir würden aus politischen Motiven handeln, ist ein Killerargument.» Ausserdem würden zur Publikation vorgeschlagene Manuskripte in anonymisierter Form geprüft. Man habe Mörgeli bereits direkt nahegelegt, auszutreten, sagt Professor Schmutz, Konservator des Winterthurer Naturmuseums. Falls Totentanz-Experte Mörgeli hart bleibt, werde der gesamte Vorstand bei der nächsten Generalversammlung dessen Ausschluss traktandieren.

Er will sich gegen Ausschluss mit «allen Mitteln wehren»

Der SVP-Politiker selber prüft eine Strafanzeige wegen Amtsgeheimnisverletzung, sofern die Universität nicht einschreitet. Am Dienstag publizierte der «Tages-Anzeiger» den nicht veröffentlichten akademischen Bericht von Ordinarius Flurin Condrau, in dem Mörgeli Mängel bei seiner Arbeit als Konservator des medizinhistorischen Museums vorgeworfen werden. Der Bericht mit den Anschuldigungen ist Mörgeli nie zur Verfügung gestellt worden.

Ende Woche wurde Mörgeli vonseiten der Uni ohne Begründung verboten, Journalisten die Magazine des Instituts zu zeigen, wo mangelhaft gepflegte Artefakte aufbewahrt sein sollen.

SVP-Politiker Mörgeli will sich «mit allen Mitteln» gegen einen Ausschluss aus der Fachgesellschaft SGGMN wehren, sagt er auf Anfrage. Man wolle seinen wissenschaftlichen Ruf zerstören, moniert er. «Die Angriffe kamen von Herrn Barras und Herrn Steinke im "Tages Anzeiger", nicht von mir.»

Publiziert am 16.09.2012




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