Keine Olympia-Euphorie
Ein Drittel der Bündner Bevölkerung lehnt eine Kandidatur für Olympische Winterspiele ab. Das zeigt eine unveröffentlichte Umfrage
Von Benno Tuchschmid
Chur Die Skepsis der Bündner Bevölkerung gegenüber den Olympischen Winterspielen ist gross. Eine Umfrage des Vereins «Graubünden 2022» aus dem Januar zeigt, dass es für die Olympiakandidatur unter den Bündnern noch keine Mehrheit gibt. Rund ein Drittel der Befragten sprach sich im Januar gegen eine Kandidatur aus. Knapp die Hälfte ist einer Kandidatur gegenüber positiv gestimmt.
Die Einstellung der Bündner Bevölkerung ist für die Durchführung von Olympischen Winterspielen entscheidend. Im März 2013 stimmt sie über die Spiele ab. Sagen die Bündner Nein, ist die Kandidatur gestorben.
Kritiker befürchten Knebelverträge des IOK
Christian Gartmann, Sprecher des Vereins «Graubünden 2022», sagt zu der Umfrage: «Die Bevölkerung hatte im Januar noch kaum Informationen zur Kandidatur, die entscheidende Phase beginnt jetzt.» Auch Gian Gilli, Direktor des Vereins Graubünden 2022, betont: «Es ist wichtig, dass die Fragen der Kritiker auf den Tisch kommen.»
Der positiven Einstellung der Initianten zum Trotz: Der Kandidatur weht ein eisiger Wind entgegen. Die Umweltverbände kündeten bereits Fundamentalopposition an, ihnen schlossen sich letzte Woche auch linke Bündner Politiker an. Sie halten die Vision der weissen, nachhaltigen Spiele für eine leere Worthülse, über die sich das Internationale Olympische Komitee mit Knebelverträgen hinwegsetzen werde. Gian Gilli widerspricht: «In der Vergangenheit wurde das nur dort gemacht, wo lokale Veranstalter versuchten, ihre Versprechen bei der Vergabe nicht einzuhalten.» Es liege nun an den Organisatoren, dem IOK ein überzeugendes Konzept vorzulegen, an dem nichts mehr nachgebessert werden müsse.
Bündner Regierung informiert morgen das Parlament
Mehr Details zum Olympia-Konzept gibt die Bündner Regierung morgen bekannt. Dann präsentiert sie die Botschaft zu den Olympischen Winterspielen, über die das Bündner Kantonsparlament im Dezember abstimmen wird. Ein wichtiger Teil davon sind kantonale Investitionsbeiträge für die Verkehrsinfrastruktur im dreistelligen Millionenbereich. Kein Teil der Regierungsbotschaft, aber trotzdem neu ist der definitive Name der Kandidatur: «St. Moritz 2022».
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«Nun beginnt die Dialogphase»
Gian Gilli, wie erklären Sie sich, dass rund ein Drittel der Bündner gegen Olympische Spie sind?
Wir haben noch nicht umfassend über unser Vorhaben informiert. Nun beginnt eine Dialogphase, in der wir zu den Leuten gehen, sie aktiv informieren und mit ihnen reden. Wir beantworten ihre Fragen und diskutieren; auch mit unseren Kritikern. Es ist wichtig, dass die Fragen auf den Tisch kommen. Nur so können die Leute Vertrauen in unsere Arbeit aufbauen.
Die Umweltverbände fühlen sich aber bereits übergangen und kündigen Opposition an.
Wir übergehen niemanden, der an einer Verbesserung unserer Konzepte interessiert ist. Die Umweltverbände haben von sich aus gesagt, dass sie nicht mit uns arbeiten wollen. Das bedauern wir sehr, denn es wäre für alle Seiten positiv, wenn sie für die Entwicklung der Projekte ihr Know-how einbringen und aktiv mitarbeiten würden. Alle würden profitieren. Unsere Einladung steht.
Glauben Sie eigentlich wirklich, dass das Internationale Olympische Komitee (IOK) kleinere Spiele will?
Ich sehe eine Chance, ohne eine Garantie abgeben zu können. Unser Projekt schlägt eine Trendwende vor. Wir bieten also dem IOK eine echte Alternative. Mehr Qualität statt mehr Quantität.
Publiziert am 09.09.2012




