Mehrheit der SVP-Wähler ist gegen den Gripen
57 Prozent der Schweizer wollen gar keine neuen Kampfflugzeuge - Zustimmung zur Armee hat einen neuen Tiefststand erreicht
von Denis von Burg und Pascal TischhAuser
Bern Verteidigungsminister Ueli Maurer kann machen, was er will. Selbst die Garantie des Staates Schweden, dass der Gripen fristgerecht geliefert und nicht zu einer Kostenfalle werde, hilft nichts. Gemäss einer Meinungsumfrage sprechen sich 64,4 Prozent gegen den Gripen aus. Als die Schweiz vor 20 Jahren ebenso heftig über die Beschaffung der F/A-18 stritt, waren vor der Abstimmung immerhin 49 Prozent dafür. Schliesslich wurde der Kauf mit 57 Prozent angenommen. Damals kämpften aber nur die GSoA und die Linksparteien gegen die F/A-18. Jetzt sind die Gripen-Gegner in allen Parteien in der Mehrheit. Ausgerechnet die Anhänger von Maurers SVP stehen im bürgerlichen Spektrum dem Gripen am kritischsten gegenüber. Maurer muss damit rechnen, dass der Gripen in einer Abstimmung keine Chance hat.
Gripen-Gegner helfen den Armeegegnern
Und Maurer ist selbst schuld. Statt von Anfang an klarzumachen, dass sich die Schweiz nur einen Billigflieger leisten kann, hat er Mängel und Risiken des Gripen monatelang schöngeredet und so eine anhaltende Anti-Gripen-Kampagne provoziert.
Inzwischen hat Maurer den Gripen-Kauf mit einer Garantie des schwedischen Staates einmalig gut absichern können. Das hindert aber insbesondere den neuen FDP-Chef Philipp Müller nicht daran, zusammen mit SVP-Nationalrat Thomas Hurter, dem schärfsten Gripen-Kritiker, mit immer neuen Forderungen das Gripen-Geschäft in Zweifel zu ziehen. Damit spielen Hurter und Müller, die mit ihren Parteien grundsätzlich für neue Flieger sind, den Kampfjetgegnern in die Hand. Gemäss der Umfrage geniesst heute das Projekt neuer Kampfflieger so wenig Unterstützung wie noch nie. Als die ETH 2008 die Kampfjetstimmung auslotete, waren 42 Prozent dafür und 49 Prozent dagegen. Heute sind immer noch 49 Prozent dafür, aber 57 Prozent dagegen. Wer früher unsicher war, ist jetzt klar dagegen. Zu hoffen, nach dem Abschuss des Gripen einen anderen Flieger beschaffen zu können, sei endgültig illusorisch, meint GLP-Chef Martin Bäumle.
Die FDP zweifelt inzwischen an der eigenen Strategie
Doch für Hurter ist es «billig, die Gripen-Kritiker dafür verantwortlich zu machen, dass die Leute überhaupt keinen Flieger mehr wollen». Mit einem risikoärmeren Flieger habe man durchaus Chancen. Und Müller sagt: «Wenn wir eine Chance haben wollen, müssen wir jetzt alle strittigen Fragen klären.» Aber in seiner FDP beginnt man inzwischen an der eigenen Strategie zu zweifeln. «Die Bevölkerung hat kein Vertrauen mehr in die Kampfjetbeschaffung. Dafür sind auch wir Politiker verantwortlich», stellt der Zuger FDP-Ständerat Joachim Eder fest. Er habe davor gewarnt, dass man mit dem Angriff auf den Gripen den Kampfjetgegnern - und sogar den Armeeabschaffern in die Hände spiele. Tatsächlich wird die Armee durch das Gripen-Desaster diskreditiert. 42 Prozent wollen die Armee heute abschaffen. In früheren Umfragen waren jeweils nur 25 bis 30 gegen die Armee.
_______________________________________________________________________________
Gripen soll im Flugbetrieb am günstigsten sein
Norwegen hat sich statt für den Gripen für die F-35 entschieden. Laut einer Studie ist dieses Flugzeug im Flugbetrieb am teuersten.
FDP-Präsident Philipp Müller fordert, den Kampfflugzeugkauf zurückzustellen und einen neuen Jet zu evaluieren, der nicht nur den Tiger ersetzen könnte, sondern auch die F/A-18-Flotte. Somit hätte die Schweiz nur noch einen Flugzeugtyp, was langfristig günstiger kommen könnte. Statt des Saab Gripen und der beiden ebenfalls von der Schweiz getesteten Flugzeuge Rafale von Dassault und Eurofighter von EADS/Cassidian könnten auch die US-amerikanischen Flugzeuge F-16 von Lockheed Martin, Boeings F-18 E/F Super Hornet und die F-35 aus dem Hause Lockheed Martin in Betracht gezogen werden.
Für die F-35 und gegen Gripen hatte sich Norwegen entschieden. Dort sorgt jetzt eine Studie von IHS Jane's für Aufregung. Laut dieser im Auftrag von Saab erarbeiteten Studie soll die F-35 die Norweger unter dem Strich viel teurer kommen als der Gripen.
Denn laut IHS Jane's ist die F-35 im Betrieb bei weitem das teuerste Flugzeug: Die Flugstunde soll 21 000 Dollar kosten. Auf 18 000 Dollar, so schätzt Jane's, käme die Stunde beim Eurofighter. Mit 16 500 Dollar rechnet die Studie beim französischen Rafale. Die F-18 E/F soll 11 000 Dollar die Stunde kosten.
Die günstigsten beiden Flugzeuge sind laut dem Bericht die F-16 mit 7000 Franken und der schwedische Gripen mit Kosten von 4700 Dollar pro Flugstunde.
Einbezogen in die Berechnungen der Flugstunden-Kosten hat Jane's neben dem Treibstoffverbrauch beispielsweise auch Betrieb und Wartung sowie Verbrauchsmaterial.
Die hohen Flugkosten der F-35 hätten wohl zur Folge, heisst es in schwedischen Medien, dass die norwegischen Piloten viel häufiger im Simulator üben müssten statt im Kampfflugzeug.
Publiziert am 09.09.2012




