Swiss Finish?
Heute ist ein Schicksalstag. Stimmen die Griechen falsch, ist alles möglich - selbst eine sofortige, europaweite Panik. Das Schlimmste ist, dass niemand weiss, was in einem solchen Fall geschehen würde. Noch ernüchternder ist, dass selbst ein positiver Ausgang der griechischen Wahlen die grosse Krise nicht verhindert, sondern sie wohl nur aufschiebt. Vielleicht für einige Monate. So tief steckt Europa im Sumpf.
Und das betrifft auch die Schweiz. Letzte Woche kam ein heftiger Alarmruf. «Das Risiko des Zusammenbruchs einer grossen Bank bleibt substanziell», erschreckte uns die Nationalbank und zeigte vor allem auf die Credit Suisse. Und wahrlich: Die vorgelegten Zahlen waren schockierend. So weist die CS nur noch ein hartes Eigenkapital von mickrigen 1,7 Prozent (!) auf, gemessen an der Nettobilanzsumme. Das ist schlicht zu wenig, um grössere Turbulenzen zu überleben. So musste die UBS in der Finanzkrise Verluste von 3 Prozent hinnehmen. Rechne!
Man reibt sich die Augen. Da wurde doch unentwegt verkündet, dass man die Lehren aus der Beinahe-Kern- schmelze des Finanzsystems im Jahre 2008 gezogen habe. Unter der Affiche Basel III wurden neue Eigenkapitalvorschriften verabschiedet, die allerdings erst bis 2019 erfüllt sein müssen. Doch die Schweiz will einen Schritt weiter gehen. Weil unsere beiden Grossbanken in Bezug auf die Volkswirtschaft viel grösser sind als die Banken anderer Länder, erhöhte man diese Mindestvorschriften, die unter dem Namen «Swiss Finish» zusätzliche Sicherheit bieten sollen. Daran wurde schnell Kritik laut, weil gewisse Kreise befürchten, dass damit unsere Banken gegenüber der ausländischen Konkurrenz benachteiligt werden.
Jetzt liegen die aktuellen Daten vor. Die Nationalbank schickte mit dieser Information die CS-Aktie innert Minuten 10 Prozent in den Keller. Das nahm man offenbar in Kauf, um später nicht der Mitschuld bezichtigt zu werden, dass man nicht rechtzeitig gewarnt habe. Und damit ist klar, dass die Nationalbank wirklich gar nichts mehr ausschliesst, selbst dass es anstatt «Swiss Finish» auch einmal «Swiss Bank Finished» heissen könnte - und dies ganz unabhängig vom heutigen Wahlausgang.
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«Schawinski», SF 1, Montag 22.55 Uhr: Nik Hartmann, der SF-Sonnyboy erstmals von seiner nachdenklichen Seite
Publiziert am 17.06.2012
von: sonntagszeitung.ch

