Knallharte Engel
Mit Geld kann man sich vielerlei kaufen: Zuneigung. Prominenz. Macht. Aufmerksamkeit. Und natürlich noch mehr Geld.
Was von all dem ist es, was sich Denner-Erbe Philippe Gaydoul und Banker Thomas Matter erhoffen, wenn sie die maroden Kloten Flyers retten? Schon bisher haben sie einen Teil ihrer beträchtlichen finanziellen Möglichkeiten eingesetzt, um ihre Ziele zu erreichen. Philippe Gaydoul kaufte sich schwächelnde Modemarken und einen siebenfachen Formel-1-Weltmeister. Thomas Matter führte den aggressiven Wahlkampf, um die SVP-Liste von hinten aufzurollen und so beim nächsten Mal ins Bundeshaus zu gelangen. Liebe und Zuneigung holt man sich damit jedoch nicht. Dazu eignet sich ein emotionales Objekt kurz vor dem Exitus besser. Wenn man dort als Engel auftritt, der mit seinem Zauberstab alles zu richten verspricht, dann fliegen einem die Herzen zu. Aber man kann es auch verpatzen. Und genau das haben die beiden Glamour-Boys leider getan.
Es ist nachvollziehbar, dass man selbst als Retter sein Geld nicht in ein schwarzes Loch werfen will. Aber mit knallharten Bedingungen läuft das auch nicht. So wollen die beiden nur einen Teil des aufgelaufenen Defizits übernehmen. Vier Millionen Franken an ausstehenden Steuern und Sozialleistungen soll sich die Öffentlichkeit ans Bein streichen. Das klingt verdächtig nach Erpressung. Gleichzeitig werden Spitzenspieler entlassen, weil man sie sich nicht mehr leisten will. Das heisst, man kappt die sportlichen Perspektiven auf Jahre hinaus. Und die kleinen Leute sollen weitere 2,5 Millionen Franken - Fünfliber für Fünfliber - spenden, damit ihr geliebter Club weiter leben darf, der dann den Herren Gaydoul und Matter gehört. Das alles passt nicht zusammen. Es ist halbherzig, kleinlich und wenig generös, vor allem da die finanziellen Ressourcen der beiden Herren öffentlich bekannt sind.
Deshalb mein Appell: Lieber Philippe und lieber Thomi, geht nochmals über die Bücher. Seid grosszügig. Wenn ihr es macht, dann bitte richtig. In eurem Business könnt ihr weiterhin knallhart auftreten. Als Engel geht das nicht. So kommt ihr nicht in den Himmel. Und auch nicht in die Herzen.
«Schawinski», SF1, Montag 22.55 Uhr: Ist der Franken noch zu retten? Mit Thomas Held und Tobias Straumann
Publiziert am 10.06.2012
von: sonntagszeitung.ch

