«Ist der Ruf erst ruiniert ...»
Heute für einmal viele Fakten und nur ganz wenig Meinung. 1. Die Hildebrands haben seit Jahren die eine Hälfte ihres Vermögens in Franken angelegt, die andere in Dollar. Das war jedoch keine kluge Strategie, denn damit haben sie auf ihrem Dollarkonto in den letzten fünf Jahren gegenüber dem Franken rund 30 Prozent verloren. Jeder konservative Schweizer Anleger ist besser gefahren. Insidervorteile sind in einer längerfristigen Betrachtung also keine zu erkennen.
2. Der Dollar hat zwar zwischen August und Oktober 2011 in Bezug auf den Franken massiv an Wert gewonnen. Aber dies war nicht in erster Linie eine Folge der Intervention der Schweizer Nationalbank, wie Hildebrands eingeschworene Feinde behaupten. So ist der Dow Jones in dieser Periode um über 1000 Punkte gestiegen, und der Dollar wurde wieder zur Fluchtwährung, was sich auch in rekordtiefen Zinssätzen für US-Staatspapiere niederschlug. Durch die grössere Nachfrage erhöhte sich der Wert des Dollars gegen- über den wichtigsten Weltwährungen um rund 10 Prozent. Selbst mit der Insiderkenntnis über die bevorstehende Nationalbank-Aktion war diese Entwicklung nicht voraussehbar - und hat mit ihr keinen ursächlichen Zusammenhang. Auch hier hatte Hildebrand keinen Informationsvorsprung.
3. Kashya Hildebrand sagt zu Recht, dass man einen Insiderdeal viel besser kaschiert hätte - und als ehemalige Traderin weiss sie, wovon sie spricht. Zudem hätte man für ein «todsicheres» Manöver viel höhere Beträge mittels gehebelter Optionen eingesetzt, um wirklich fette Gewinne einzufahren. Dies alles ist nicht geschehen, weshalb auch in diesem Punkt kein Gebrauch von Insiderwissen belegt werden kann.
4. Nur in einem Punkt waren illegal erworbene Insiderinformationen entscheidend. Und als die Sache platzte, wurde gelogen, dass sich die Balken bogen. Diese düsteren Aktivitäten führten trotzdem zum seit langem angepeilten Ziel. Die Rede ist nicht von Philipp Hildebrand, sondern von Christoph Blocher. Der permanent lügende Racheengel sagt lächelnd über sich selbst: «Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich recht ungeniert.» Damit erklärt unser Ex-Justizminister, dass moralische Kriterien nur für seine politischen Feinde zu gelten haben, nicht jedoch für ihn. Wenn er mit diesem grotesken Ansatz weiterhin durchkommen sollte, steht uns noch einiges bevor.
Publiziert am 15.01.2012
von: sonntagszeitung.ch

