Alle Fehler der SVP
Die Erfolge haben die Spitze der Partei übermütig, ja überheblich gemacht. Es herrscht eine gewaltige Kombination von Dünkel, Denkfaulheit, Personalproblemen und taktischem Unvermögen. Die SVP hat einen Sturm gesät und erntet den Orkan: den organisierten Widerstand aller andern. Die Kampagne war nur noch Abklatsch, die auf Plakaten malträtierte Schweizer Fahne kümmerliche Repetition. Was an Geist fehlt, wird mit Geld kompensiert. So war die Tapezierung des öffentlichen Raums nicht nur ein Overkill, sondern ein Bumerang. Als Botschaft kam nur an, dass die Partei offenbar über unbegrenzte Finanzkraft verfügen muss und jede verfügbare Ecke kaufen kann.
Die Bewegung ist erstarrt. Es fehlen gestandene Kaderleute, Spitzenkräfte aus Wirtschaft und Wissenschaft oder Quereinsteiger mit Anziehungskraft über die Parteigrenze hinaus. Ein Generationenwechsel zeichnet sich nur sehr zögerlich ab, die Kaderplanung findet im Vakuum statt. Die SVP 2011 besteht aus einem Papst, einer Handvoll eilfertiger Kurienkardinäle und vielen, vielen Gläubigen. Blocher hat sich überschätzt. Sein persönliches Wahlresultat war eine mittlere Demütigung. Er kehrt nicht als Sieger in den Nationalratssaal zurück, sondern als Mitläufer im Feld. Sein Nimbus ist verblasst. Sogar als Leader nach innen ist der Schöpfer der SVP angezählt.
Nun, liebe SVPler, bevor Sie Ihre wütenden Leserbriefe an diese Zeitung abschicken: Dies ist nicht etwa meine Meinung, sondern die Analyse der aktuellen «Weltwoche»! Im ständigen Bemühen, anders zu sein als alle anderen, hat das inoffizielle Parteiblatt nun sogar im SVP-Bashing die Führung übernommen. Denn Roger Köppel hasst nur etwas abgrundtief: Verlierer. Die Enttäuschung des letzten Wochenendes muss für ihn überwältigend sein, nachdem er sich seit Jahren für die gesetzten Sieger in die Schanze geschlagen hatte. Darum wohl hat er seinen Polit-Terrier Urs Paul Engeler ausschwärmen lassen, um die bisher angehimmelte Blocher-Truppe so darzustellen, wie sie wirklich ist - nämlich pitoyabel.
Dass die Einsicht über die Verblendung gesiegt hat, darf als löblich bezeichnet werden. Erschreckend dabei ist nur, dass dies den eigenen Lesern nicht vor, sondern leider erst nach den Wahlen mitgeteilt wurde.
Publiziert am 30.10.2011
von: sonntagszeitung.ch

