Weiterwurschteln wie bisher
Der Nebel lichtete sich nur ganz langsam. Aber nach und nach wird deutlich, weshalb die UBS über ihr jüngstes Milliarden-Desaster so zurückhaltend informiert hat: Die Fakten sind absolut verheerend.
Der Londoner Jungbanker hat offenbar nicht nur während dreier Monate alle Schranken durchbrochen, sondern viel länger - drei ganze Jahre lang! Kweku Adoboli fuhrwerkte seit 2008 unter Umgehung von internen Regeln, und keiner hats gemerkt: weder seine direkten Vorgesetzten noch das interne Controlling. Und auch nicht die externe Revision, die den gesamten Betrieb alljährlich röntgen sollte.
Wenn in der UBS fiktive Buchungen offenbar so locker übersehen wurden, deutet dies darauf hin, dass die von Ossi Grübel grossspurig angepriesenen Risikokontrollen nicht mehr als Hirngespinste waren. Nur deshalb konnte Mr. Adoboli tun und lassen, was er wollte. Solange er Gewinne produzierte, kam ihm niemand auf die Schliche. Erst als er sich bei seiner wilden Wetttätigkeit um Milliarden verzockte, wurde das totale Systemversagen sichtbar. Dafür trägt UBS-Messias Ossi Grübel direkt die Verantwortung und war für die Bank deshalb nicht länger tragbar.
Was lernen wir daraus? Alle Versprechen der Banker, dass sie aus vergangenen Fehlern gelernt hätten, sind wertlos. Vielleicht tappen sie nicht wieder in dieselben, selbst gebastelten Fallen, dafür in andere, von denen es zu viele gibt. Das heisst auch: Die reinen Zockergeschäfte, bei denen mit bankeigenen Mitteln gewaltige Risiken genommen werden, müssen bei jenen Banken verboten werden, für die wir alle haften, weil sie eben «too big to fail» sind. Andere Teile des generell in Misskredit geratenen Investmentbanking, etwa die Aktivitäten bei Firmenübernahmen und Börsengängen, sollten hingegen - anders als Blocher fälschlicherweise forderte - weiterhin erlaubt bleiben.
Der jüngste UBS-Fall wäre eine perfekt getimte Steilvorlage für unsere Parlamentarier gewesen, die sich letzte Woche dieser Problematik annahmen. Das Resultat der Verhandlungen war aber ernüchternd. Aus unterschiedlichen Motiven wurden alle Verbesserungsvorschläge abgeschossen. Grübel und Adoboli sind zwar weg. Aber ihre Nachfolger können ungestört weiterwurschteln wie bisher.
Publiziert am 25.09.2011
von: sonntagszeitung.ch

