«Nobody knows nothing»
Es lief immer gleich ab: Der Anlageberater Ihrer Bank, dem Sie Ihr hart erarbeitetes Vermögen anvertrauen wollten, präsentierte seine Weisheiten.
Der Ansatz war jeweils ein möglichst ausgewogenes Portefeuille, denn niemand würde alle Eier in denselben Korb legen. Deshalb sei es zuerst einmal sinnvoll, in Aktien der besten Schweizer Firmen zu investieren. Einen Teil des Rests würde man in Fremdwährungen platzieren, wo höhere Renditen lockten. Auf diese Weise würde man zu optimalen Ergebnissen gelangen.
Doch dann zeigte sich ein klitzekleines Problem: Dies war grundfalsch. In den letzten Jahren gab es nur wenige Möglichkeiten, unter Berücksichtigung aller Kosten kein Geld zu verlieren. Da gab es einmal langweilige Schweizer Obligationen. Oder man musste Gold kaufen oder Cash in Franken halten - in zwei zinslosen Anlageformen also. Nichts zeigt deutlicher das gewaltige Problem unseres Finanzsystems als diese ernüchternde Erkenntnis.
Unsere Nationalbank sitzt in derselben Falle - nur ist ihre Lage noch auswegloser. Erstens ist sie verpflichtet, Devisenbestände zu halten. Zweitens hat sie aus volkswirtschaftlicher Verantwortung versucht, den bedrohlichen Anstieg der eigenen Währung zu bremsen. Doch der Euro-Tsunami fegte mit nie erwarteter Kraft alles ausser den noch stärker schwächelnden Dollar weg. Und deshalb sitzt die Nationalbank heute auf gewaltigen Beständen von Währungen, deren Wert immer weiter dahinschmilzt. Schlimmer noch: Während Sie Ihre Euro-Anlagen losschlagen, wenn Ihr Leidensdruck ein unerträgliches Mass erreicht hat, kann unsere Nationalbank nicht einmal das. Denn würde sie einen grösseren Teil ihrer Euro-Bestände auf den Markt werfen, würde dies den Franken-Aufwertungsdruck ins Unermessliche steigern. Und damit sitzt die Nationalbank in einer Falle, aus der sie aufgrund eigener Entscheide nicht herausfinden kann.
Was lehrt uns das? Auch in der Finanzwelt gilt eben d weiss irgendetwas). All die teuren Anlageberater stochern im Nebel und hoffen, richtig zu liegen. Mit einem Blick auf Ihr Portefeuille werden Sie aber wohl erkennen, dass es auch diesmal wieder nicht geklappt hat. Wie schon so oft in den letzten zehn Jahren.
Publiziert am 26.06.2011
von: sonntagszeitung.ch

