Und dann wünsche ich mir noch ...
Das mit den Vorsätzen am Jahresende scheint nie so richtig zu klappen. Also versuche ich es mit einem neuen Ansatz. Nicht ich, sondern die anderen sollen ihr Verhalten ändern. Erstens ist dies um einiges bequemer - und zweitens auch bedeutungsvoller. Hier also meine kurze Liste von Wünschen für 2011.
Ich erhoffe mir, dass Leute, die vom Staat mit Milliarden gerettet wurden, nicht eine partielle Amnesie vortäuschen und sich lauthals gegen jegliche Staatseingriffe zur Wehr setzen. Dies wäre nicht nur ein Akt intellektueller Redlichkeit, sondern auch ein Beweis für eine gewisse Lernfähigkeit, die uns davor bewahren würde, nicht wieder schnurstracks in die nächste Blase (UBS-Chef Oswald Grübel: «Mehr Risiken nehmen, 15 Milliarden Gewinn») zu steuern.
Ich erhoffe mir, dass Politiker nach Wahl- und Abstimmungsniederlagen im TV-Studio nicht mehr so tun, als seien sie Sieger. Diese verschwurbelten Argumentationen (SP-Chef Christian Levrat: «Wir haben mehr Stimmen geholt, als es unserem Wähleranteil entspricht») lassen das Vertrauen in unsere Volksvertreter immer weiter schwinden. Es braucht Mut, vor laufender Kamera in einer schwierigen Situation ehrliche Antworten zu geben. Wer den nicht besitzt, sollte sich ein anderes
Betätigungsfeld suchen. Vor allem in einem Wahljahr.
Ich erhoffe mir, dass Manager und Unternehmer Gerüchte nicht kategorisch dementieren, obwohl sie richtig sind - um dann nach Vertragsunterzeichnung per Pressemitteilung den Sachverhalt zu bestätigen, und dies ohne das geringste Schuldgefühl gegenüber den Journalisten, die sie brandschwarz angelogen haben. Solches Verhalten ist moralisch verwerflich.
Ich erhoffe mir, dass die sturen Euro-Hasser, die aus ideologischen Gründen mit hämischer Vorfreude auf einen Zerfall dieser Währung hoffen, sich bewusst werden, dass ein solcher Verlauf auch die Schweiz in unabsehbare Schwierigkeiten bringen würde, weil unser Wohlstand auf funktionierende Märkte angewiesen ist - und ganz besonders auf diejenigen in Europa.
Ich weiss, dass es schwierig wird mit meinen Wünschen. Aber hoffen darf man ja immerhin. Denn am Beginn eines neuen Jahres scheint so vieles möglich.
Publiziert am 02.01.2011
von: sonntagszeitung.ch

