Viele Wege führen zur guten Occasion
Wer einen Gebrauchtwagen sucht, kann sich auf solide Statistiken stützen - die zehn wichtigsten Bestenlisten
von Ulrich Safferling
Autostatistiken kann man so und so lesen. Auf der einen Seite belegen sie etwas, auf der anderen Seite blenden sie aus. Statistiken sind auch Mittel zum Zweck.
Das trifft vor allem für Qualitätstests zu, mit denen Importeure sich gern schmücken, schneidet ihr Modell besonders gut ab. So geschehen bei Renault Deutschland, die 2009 in überregionalen Zeitungen den J. D. Power Report zitierten. Danach landete der Renault Laguna bei der Kundenzufriedenheit auf Platz 1 in Deutschland. Gezeigt wurde dazu das aktuelle Kombi-Modell.
Was geschummelt war, weil es den neuen Laguna Kombi zum Zeitpunkt der Power-Umfrage noch gar nicht auf dem Markt gab - die Statistik bezog sich noch auf den Laguna-Vorgänger. Eine Erklärung dafür blieb Renault Deutschland selbst nach monatelangem Nachfragen schuldig.
Da hilft nur genau hinschauen und in jedem Fall mehr als eine Statistik um Rat fragen, wenn die nächste Occasion angeschafft werden soll. Das ist meist im Frühjahr der Fall, der klassischen Occasionenzeit. Hilfreich sind dabei die jährlichen Mängelreports vom Technischen Überwachungs-Verein (TÜV), vom Deutschen Kraftfahrzeug-Überwachungsverein (Dekra) und der Gesellschaft für Technische Überwachung (GTÜ).
Jede Statistik mehr verbessert letztlich die Entscheidung
Allein diese deutschen Prüfstellen führen mehr als 25 Millionen Hauptuntersuchungen durch, die technisch der schweizerischen Motorfahrzeug-Kontrolle (MFK) entsprechen. Genug Zahlenmaterial für solide Befunde. TÜV und GTÜ bewerten nach Alter, also im Rhythmus der gesetzlichen Untersuchung. Die Dekra nimmt eine Kilometereinteilung vor, berücksichtigt den Verschleiss mit.
Nicht minder wichtig ist die Pannenstatistik, die der TouringClub Schweiz vom grossen Bruder ADAC übernimmt. Modelle, die gern liegen bleiben, sind sicher nicht erste Occasionswahl.
Die J.-D.-Power-Statistik fragt nicht nach technischen Schwächen, sondern der Zufriedenheit des Kunden. Einem Gesamteindruck, der zugleich Fahrverhalten und Nutzwert beinhaltet. Das ist klar subjektiv, aber nicht schlechter als ein Stammtischgespräch. Das durch einen Blick in die aktuelle Rückrufliste zusätzlich Nahrung bekommen kann.
Und dann sind da noch die Bestenlisten. Das umweltfreundlichste Modell vom VCS, das sicherste beim Crashtest, das meistgekaufte in der Zulassungsstatistik und der Sieger beim alljährlichen Wettbewerb zum Car of the Year. Alles Einzelkriterien, die für oder gegen eine Occasion sprechen können. Jede Statistik mehr verbessert die Entscheidung, zumal nicht alle Autos in jeder Statistik zu finden sind.
Ist das Modell für die eigenen Bedürfnisse identifiziert, helfen bei der Suche nach einer Occasion vor Ort Internetbörsen wie AutoScout24.ch. Und dort zählen wie früher klassische Kriterien.
So sind private Erst- und Zweithandautos in der Regel gepflegt und zuverlässig, Händler bieten dafür oft Garantie. Lieber ein älteres Fahrzeug mit wenig als ein junges mit viel Kilometern nehmen. Kompletter Service und gute Bereifung (vier Millimeter Profil) sind Pflicht. Und fällt die Probefahrt dann zur Zufriedenheit aus, steht dem Kauf nichts mehr im Wege.
Publiziert am 18.04.2010
