Wieder gegen den Strom
Mit dem neuen DS5 wagt Citroën Extravaganz bei Design und Antrieb
von Andreas faust
Frederic Soubirou windet sich. Konkurrenten seines jüngsten Entwurfs soll der Designer aufzählen. Doch seine Vorschläge - BMW X1 oder VW Passat CC - überzeugen nicht so recht: Ersterer zählt zu den SUV, Letzterer wirkt eher wie eine flache Limousine. Schliesslich hellt sich seine Miene auf: «Volvo P1800 ES!»
Das zeugt von Selbstbewusstsein: der legendäre Volvo-Sportkombi von 1971 - Spitzname «Schneewittchensarg», der gläsernen Heckklappe wegen - als Vorbild des DS5. Citroëns neues Modell in der noblen DS-Linie verweigert sich offenbar aller zeitgenössischen Konkurrenz. Damit markiert der DS5 eine Rückkehr zu jener Extravaganz, die sich die Marke, von Verkaufserfolgen honoriert, in den letzten Jahren abtrainiert hatte.
Beim Design stand der Flugzeugbau Pate
Ist es ein SUV? Eine Limousine? Ein Kombi? Äusserlich erschliesst sich der DS5 nicht. Die hohe Front greift das Design der letzten DS-Modelle 3 und 4 auf, aber schon die säbelförmige Chromleiste entlang der Motorhaubenkante hat man so bisher ebenso wenig gesehen wie die Fenstergrafik oder das bullige Heck mit den zwei hoch liegenden Endrohren der Abgasanlage.
Bei allen Aspekten des Designs habe man sich vom Flugzeugbau inspirieren lassen, erklärt Soubirou, und dies wird besonders augenfällig im Innenraum. Jetpiloten fühlen sich heimisch; alle anderen staunen über vier einzelne Glasdächer, die breite Mittelkonsole und die Kolonne von Schaltern, die den Dachhimmel ziert.
Den fünf Insassen wird genau definierter Platz zugewiesen; einem Massanzug gleich passen die Sitze. In der Top-Ausstattung werden sie mit abgestepptem Leder bezogen; jeder Bezug aus einem einzigen Stück gefertigt. Doch während man der in einem Citroën so noch nicht gefühlten Verarbeitungsqualität nachspürt, bemerkt man auch die recht knappe Kopffreiheit im Fond, die der hinreissend flachen Dachlinie zu verdanken ist. Und wie sich die weitläufig verteilten Schalter im Alltag sicher werden bedienen lassen, bleibt abzuwarten.
In drei Diesel- und zwei Benziner-Versionen wird der DS5 ab März lieferbar sein. Zu Ersteren gehört eine Sparvariante mit 82 kW/112 PS, automatisiertem Getriebe, Stopp-Start-Automatik und einem Verbrauch von im Schnitt 4,4 Litern. Letztere stammen aus der Kooperation mit BMW und leisten 115 kW/156 PS und 147 kW/200 PS und überzeugen durch Drehfreude. Als Topmotorisierung fungiert der erstmals bei Citroën angebotene Diesel-Hybrid mit 200 PS. Noch vor wenigen Jahren galt solch ein Antrieb als absurd: Teurer Dieselmotor plus teure Batterie ergäbe einen zu hohen Verkaufspreis; zudem sei der Effekt auf den Verbrauch gering gegenüber dem technischen Aufwand.
Sanftes Zusammenspiel der Motoren, straffes Fahrwerk
Citroën wird ihn nun ab circa 52 000 Franken anbieten, auf dem Niveau eines Mittelklassewagens mit Turbodiesel (siehe Box). Neben dem tiefen Verbrauch liefert der Hybrid nebenbei auch den bislang bei Citroën vermissten Allradantrieb: Der Turbodiesel wirkt auf die Vorderräder, während der Elektromotor die Hinterachse antreibt, beim Beschleunigen unterstützt, beim Bremsen Energie rekuperiert und bei voller Ladung der kostengünstigen Nickel-Metallhybrid-Batterie den DS5 bis zu vier Kilometer rein elektrisch vorantreibt.
Die Leistungselektronik blendet die zwei drehmomentstarken Motoren erstaunlich sanft ineinander. Gerade auf langen Strecken könnte aber das sehr straffe Fahrwerk auf Dauer für Unmut unter den Passgieren sorgen.
Dem nahezu bedeutungslosen Citroën C6 dürfte der DS5 den Status des Marken-Flaggschiffs abjagen. Als Imageträger soll die Nobellinie noch weiter ausgebaut werden - drei weitere DS-Modelle sind bereits in der Entwicklung. Legendäre Auto-Klassiker als Vorbild gibt es ja genug.
Publiziert am 29.01.2012

